Eine Frau, die auf die Pauke haut

Sehr viel ist von ihr in der Bibel wirklich nicht überliefert. Es geht um Miriam, die Schwester der bedeutenden und noch heute bekannten Brüder Mose und Aaron. Das ist gar nicht so einfach, neben zwei bekannten Brüdern sein Leben zu meistern. Stets wird man angesprochen auf sie. "Was macht dein Bruder Mose? Was hat Gott ihm gesagt? Wie stellt er sich unseren weiteren Weg durch die Wüste vor?" Sie selber, Miriam, scheint gar nicht wichtig zu sein. Wie es ihr geht, scheint keinen zu interessieren. Eines Tages ganz unvorbereitet war sie aber dann auch für viele zum Vorbild geworden.

Miriam und ihre beiden Brüder Aaron und Mose erleben wohl eine der spannendsten Zeiten im Leben des Volkes Israel. Aus der Großfamilie des Jakob mit seinen 12 Söhnen und den daraus hervorgehenden Familien entsteht das Volk Israel. Jakob mit seinen 12 Söhnen und den dazu gehörigen Familien leben nicht zu Hause, wo sie eigentlich, von Gott her so gedacht, hingehören. Sie leben in Ägypten über mehrere Generationen hinweg. Nachdem die Ägypter sie zu billigen Fremdarbeitern gemacht haben, schreien sie zu Gott um Hilfe, dass er sie wieder in ihre eigentliche Heimat nach Israel zurück führt. Und diese Zurückführung geschieht eben nun gerade zur Zeit von Miriam, Aaron und Mose. Mose hatte seine ganz besonderen Erlebnisse mit Gott, angefangen von seiner Errettung als Baby im Nil bis hin zu seiner Berufung von Gott als Retter und Leiter seines Volkes Israel. Aaron war inzwischen Hoher Priester geworden, also die geistliche Führungskraft in seinem Volk. Nach einer von Gott herbeigeführten Aktion (10 Plagen) darf das Volk Israel endlich seine "Heimreise" in das von Gott versprochene Land antreten. Das war alles andere als eine Urlaubsreise oder Wüstensafari. Der Weg aus Ägypten in das Land Kanaan war fast nur ein Weg quer durch die Wüste. Aber das wäre noch zu ertragen gewesen, wenn nicht überall irgendwelche Feinde gelauert hätten. Sie waren kaum eine Tagereise weit in der Wüste, als den Ägyptern einfiel, die Israeliten doch nicht einfach so ziehen zu lassen. Sie jagten ihnen mit ihrem besten Militär hinterher. Inzwischen war das Volk am Schilfmeer, wahrscheinlich einem Ausläufer des roten Meeres, angekommen. Aber was jetzt? Vor dem Volk Israel das Meer, hinter ihnen die Ägypter. Ein Tag Freiheit - war's das jetzt? Und da geschieht das Unfassbare. Mose hebt über dem Meer seinen Hirtenstab und das Meer teilt sich. Das ist der Weg zur Rettung. Aber die Ägypter sind ja schon so nahe. Das Volk Israel hat kaum Zeit zum Überlegen (vielleicht zu ihrem eigenen Glück), sie ziehen hindurch. Und die Ägypter in einem gewissen Abstand hinter ihnen her. Die Ägypter nutzen ihre Chance als das rote Meer grüne Welle hat. Was sie nun aber nicht bedacht haben in ihrem Wahn ist, dass zwischen ihnen und dem Volk Israel Gott ist. Als das Volk Israel wohlbehalten ans andere Ufer kam, war das Heer der Ägypter im roten Meer ertrunken. Was für das Volk Gottes zur Rettung geworden war, war für die Feinde des Volkes Israel zum Fallstrick geworden.

Am anderen Ufer angekommen, kann Mose nur noch eins: Er lobt Gott. Dieses Anbetungsgebet des Mose lohnt sich in der Bibel nachzulesen. Aber jetzt kommt Miriams Auftritt. Sie sieht und hört ihren Bruder Mose Gott loben - und da kann sie gar nicht anders. Sie muss mit einstimmen auf ihre Art und Weise. Und wie sie das macht! Sie haut auf die Pauke im wahrsten Sinne des Wortes. Und sofort tun es ihr viele Frauen nach. Es wird geklatscht und auf die Pauke gehauen, um damit den Sieg Gottes zu proklamieren. Miriam lässt sich von der Freude ihres Bruders Mose und seinem Lob anstecken: "Lasst uns dem Herrn singen, denn er hat eine herrliche Tat getan."

Vielmehr wird an dieser Stelle gar nicht über Miriam berichtet. Sie läßt sich anstecken vom Lob Gottes. Sie tut es auf ihre Art und Weise und das überzeugt wieder andere, mit einzustimmen in das Lob Gottes. Wer Gott lobt, sieht weiter als alle anderen. Solche Menschen sehen, wer hinter der Geschichte des Volkes Israel, und wer hinter der Geschichte meines ganz persönlichen Lebens steht und wirkt. Probieren Sie es aus! Fangen sie jeden Tag mit Lob Gottes an, so wie es Ihnen am besten erscheint, so wie es Ihren Möglichkeiten entspricht. Ihre Tage werden anders verlaufen, erfüllter und froher. Probieren sie es mal einen Monat lang aus! Und dann erzählen sie mir und anderen von Ihren Erfahrungen.

Pfarrer Volkmar Körner
Falkenstein


2. Mose 15,1-21

Moses Lobgesang

15,1 Damals sangen Mose und die Israeliten dies Lied dem HERRN und sprachen: Ich will dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt. 15,2 Der HERR ist meine Stärke und mein Lobgesang und ist mein Heil. Das ist mein Gott, ich will ihn preisen, er ist meines Vaters Gott, ich will ihn erheben. 15,3 Der HERR ist der rechte Kriegsmann, HERR ist sein Name. 15,4 Des Pharao Wagen und seine Macht warf er ins Meer, seine auserwählten Streiter versanken im Schilfmeer. 15,5 Die Tiefe hat sie bedeckt, sie sanken auf den Grund wie die Steine. 15,6 HERR, deine rechte Hand tut große Wunder; HERR, deine rechte Hand hat die Feinde zerschlagen. 15,7 Und mit deiner großen Herrlichkeit hast du deine Widersacher gestürzt; denn als du deinen Grimm ausließest, verzehrte er sie wie Stoppeln. 15,8 Durch dein Schnauben türmten die Wasser sich auf, die Fluten standen wie ein Wall; die Tiefen erstarrten mitten im Meer. 15,9 Der Feind gedachte: Ich will nachjagen und ergreifen und den Raub austeilen und meinen Mut an ihnen kühlen. Ich will mein Schwert ausziehen, und meine Hand soll sie verderben. 15,10 Da ließest du deinen Wind blasen, und das Meer bedeckte sie, und sie sanken unter wie Blei im mächtigen Wasser. 15,11 HERR, wer ist dir gleich unter den Göttern? Wer ist dir gleich, der so mächtig, heilig, schrecklich, löblich und wundertätig ist? 15,12 Als du deine rechte Hand ausrecktest, verschlang sie die Erde. 15,13 Du hast geleitet durch deine Barmherzigkeit dein Volk, das du erlöst hast, und hast sie geführt durch deine Stärke zu deiner heiligen Wohnung. 15,14 Als das die Völker hörten, erbebten sie; Angst kam die Philister an. 15,15 Da erschraken die Fürsten Edoms, Zittern kam die Gewaltigen Moabs an, alle Bewohner Kanaans wurden feig. 15,16 Es fiel auf sie Erschrecken und Furcht; vor deinem mächtigen Arm erstarrten sie wie die Steine, bis dein Volk, HERR, hindurchzog, bis das Volk hindurchzog, das du erworben hast. 15,17 Du brachtest sie hinein und pflanztest sie ein auf dem Berge deines Erbteils, den du, HERR, dir zur Wohnung gemacht hast, zu deinem Heiligtum, Herr, das deine Hand bereitet hat. 15,18 Der HERR wird König sein immer und ewig. 15,19 Denn der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Männern. Und der HERR ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. 15,20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. 15,21 Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt.


Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierter Text 1984
Copyright 1985, 1998 by Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart
Mit freundlicher Genehmigung der Deutsche Bibelgesellschaft (http://www.dbg.de/)



   zuletzt aktualisiert am: 07.08.2006