Eine Spenderin, die Unmut erzeugt
Stellen Sie sich einmal folgendes vor: Sie sind zu einer größeren Zusammenkunft eingeladen, die auch mit einem festlichen Essen verbunden ist, meinetwegen einer Feier zu einem hohen Geburtstag. Es bilden sich zwei Gruppen, einmal die der Frauen und die andere ist von den Männern geprägt, die sich tiefsinnig oder auch nicht über irgend welche gesellschaftliche und politische Fragen unterhalten. Plötzlich taucht eine Frau auf mit einem Korb voller Blumensträuße und drückt diese einem Gast in die Arme zum Zeichen dafür, dass gerade dieser Gast ihr etwas Besonderes ist. Wie irritiert werden die anderen Gäste schauen. Vielleicht kommt es zu Bemerkungen, die für die Frau verletzend sind, etwa: "Was soll der mit den vielen Blumen, die letztlich auch nur weggeschmissen werden. Hätte sie lieber uns allen eine Runde ausgegeben, da wäre das Geld nützlicher angebracht gewesen."
Ich gebe zu, das lässt sich schlecht vorstellen. Und es ist dennoch einmal so geschehen, freilich nicht mit Blumen, sondern mit einer teuren Flasche Parfüm damaliger Zeit, nämlich dem Öl aus Nardenwurzeln, wohlriechend und teuer. Der Gast war Jesus. Die Frau ist dem Namen nach nicht genannt. Sie kommt völlig überraschend auf Jesus zu und schüttet eine Flasche dieses kostbaren Öles über Jesus aus. Sie verehrt ihn über alle Maßen, denn selbst die Flasche soll nie mehr verwendet werden, sie wird zerbrochen zum Zeichen, dass sie zum einmaligen Gebrauch bestimmt war. Der Wert des Öls war unermesslich hoch. Verkauft, hätte es vielen Menschen ein reichliches Mahl bescheren können. Darum sind die anderen Gäste auch so aufgebracht. Man hätte mit dem Geld Besseres tun können, meinen sie. Aber Jesus nimmt diese Frau in Schutz. Dass sie so viel für ihn gewagt hat, ist ein Zeichen ihrer gläubigen Verehrung und Liebe zu ihm. Und diese Liebe kann nicht einfach auf andere übertragen werden. Sie gilt ihm.
Es soll Menschen geben, die auch heute diesen Jesus verehren und lieben. Und die sich diese Verehrung etwas kosten lassen. Sie bringen Zeit auf, sie setzen ihre Kraft ein und sie sind auch zu finanziellen Opfern bereit, bis hin zum zehnten Teil ihres Einkommens. Und nicht wenige, die darum wissen, lästern darüber. Die Zeit in der Kirche wäre ihrer Meinung nach sinnvoller mit anderen verbracht, die Kraft könnte für das Eigene eingesetzt werden. Und mit dem Geld wäre ein schöner Urlaub zu finanzieren oder als Geschenk für die Angehörigen (meine mich selbst) ganz angenehm. Lassen Sie sich von solchen Gedankengängen nicht abhalten, Jesus Gutes zu tun. Eine Erfahrung ist, dass Gott sie letztlich reicher beschenkt als Sie es tun können.
Makrus 14, 3-9
Die Salbung in Betanien
14,3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. 14,4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 14,5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 14,6 Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden! Was betrübt ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 14,7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 14,8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt für mein Begräbnis. 14,9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierter Text 1984
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