Ein Winzer, der im Wege ist
Es ist eine schlimme Geschichte, die sich hinter dieser Überschrift verbirgt. Schlimme Geschichte - und die steht in der Bibel? Ja, weil die Bibel kein weltfremdes Märchenbuch ist, sondern die Welt realistisch beschreibt, wie sie seit dem Sündenfall der Menschheit ist.
Nabot war ein Winzer in Jesreel, dem heutigen Zerin, ca. 17 Kilometer südlich von Nazareth. Er hatte einen schönen Weinberg. Es war Erbbesitz von seinen Vorfahren. Ein Weinberg mit herrlicher Lage, er grenzte direkt an das Grundstück, auf dem die Sommerresidenz des israelischen Königs Ahab stand. Eines Tages wird Nabot ein Kaufgesuch vom König unterbreitet. König Ahab möchte Nabots Weinberg erwerben, um darauf seinen Gemüsegarten anzulegen. Nabot willigt nicht in dieses Geschäft ein. Land war nach dem Gesetz in Israel nicht verkäuflich. Auch die Verantwortung für das Erbe, welches er verwaltete, war ihm heilige Pflicht.
Wer aber lässt sich schon gerne seine Wünsche und Vorhaben durchkreuzen? Der Herrscher Ahab ist wütend. Das Essen schmeckt ihm nicht mehr. Der Gedanke an den erweiterten Palastgarten lässt ihn nicht mehr zur Ruhe kommen. Ärgerlich und unansprechbar legt er sich auf sein Bett. - Da betritt seine Frau Isebel das Zimmer. Sie bemerkt sofort die missmutige Stimmung ihres Mannes. Schon bald erfährt sie die Sache, die ihren Mann bewegt. Da lacht sie hart auf. "Du, du übst doch jetzt Königsherrschaft über Israel aus. Steh auf, iss und lass dein Herz fröhlich sein! Ich werde dir den Weinberg Nabots geben", spricht sie.
Nun beginnt eine tödliche Geschichte von Lügen, Intrigien und Mord. Isebel war nicht in Israel, sondern in einer heidnischen Kultur aufgewachsen (Phönizien: schmale Küstenebene Syriens, zwischen Libanon und Mittelmeer), in der die Rechte des einzelnen nicht viel galten. Es erschien ihr unglaublich, dass ihr Mann, als König, sich nicht einfach nahm, was er haben wollte. Isebel wusste, wie sie die Gesetze Israels gebrauchen konnte, um ihre Ziele zu erreichen. Sie sandte Briefe an die Leiter in der Stadt Nabots, in denen sie diese aufforderte, ein Fasten auszurufen und zwei Schurken zu nehmen, die Nabot beschuldigen sollten, er habe Gott und den König gelästert. Es waren immer zwei Zeugen nötig, um in Israel eine Person schuldig zu sprechen. Gotteslästerung, heute Blasphemie, war ein Verbrechen, das mit Steinigung bestraft wurde. Die leitenden Männer von Jesreel fürchteten Isebel und führten ihre schrecklichen Anweisungen exakt aus. Als sie Nabot grausam umgebracht hatten, meldeten sie pflichtbewusst an Isebel, dass der Auftrag erfüllt sei. Sie teilte ihrem Mann Ahab daraufhin mit, dass er Nabots Weinberg in Besitz nehmen könnte, weil sein früherer Besitzer nun tot war. Der König zögerte nicht und ging, um in Besitz zu nehmen, was er zu besitzen begehrt hatte.
Nicht viel Freude sollte ihm dieser Besitz bringen. "Unrechtes Gut gedeiht nicht", heißt es in einem Sprichwort. Oft sind Sprichwörter aus biblischen Wahrheiten geprägt. - Ahab jedenfalls war gerade dabei, sein neues Grundstück anzusehen, da kommt Elia, Gottes Bote und Prophet, zu ihm. Nichts Gutes bekam Ahab zu hören. "Wo die Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen die Hunde dein Blut lecken"! donnerte der Prophet ihn an. Unglück für das gesamte Königshaus wurde vorausgesagt. Über Isebel, die eigentlich Drahtzieher dieses Verbrechens war, lautete Gottes Urteil: "Die Hunde sollen Isebel fressen an der Vormauer von Jesreel!"
Die Gerichtsworte schmetterten Ahab nieder. Er legte Trauerkleider an und fastete. Gott bemerkte diesen Sinneswandel. Ahabs Leben war tief in Schuld und Sünde versunken, aber als Antwort auf seine Selbstdemütigung erwies ihm Gott Gnade und milderte die angedrohte Strafe.
Isebel kehrte nicht um. Sie erlitt ohne Gnade alles, was Gott ihr angekündigt hatte (Nachzulesen in der Bibel im 2. Buch Könige, Kapitel 9,30-37). Eigentlich sehr schade, denn auch bei schwerster Schuld gilt das Angebot Gottes in der Bibel: "Gott will nicht den Tod des Gottlosen, sondern, dass er umkehrt und lebt". Dabei ist Gottes Gnade nie billige Gnade. Sie ist immer nur möglich durch Jesu Opfertod am Kreuz.
1. Buch Könige Kapitel 21,1-29
Nabots Weinberg
21,1 Nach diesen Geschichten begab es sich: Nabot, ein Jesreeliter, hatte einen Weinberg in Jesreel, bei dem Palast Ahabs, des Königs von Samaria. 21,2 Und Ahab redete mit Nabot und sprach: Gib mir deinen Weinberg; ich will mir einen Kohlgarten daraus machen, weil er so nahe an meinem Hause liegt. Ich will dir einen besseren Weinberg dafür geben, oder, wenn dir's gefällt, will ich dir Silber dafür geben, soviel er wert ist. 21,3 Aber Nabot sprach zu Ahab: Das lasse der HERR fern von mir sein, daß ich dir meiner Väter Erbe geben sollte! 21,4 Da kam Ahab heim voller Unmut und zornig um des Wortes willen, das Nabot, der Jesreeliter, zu ihm gesagt hatte: Ich will dir meiner Väter Erbe nicht geben. Und er legte sich auf sein Bett und wandte sein Antlitz ab und aß nicht. 21,5 Da kam seine Frau Isebel zu ihm hinein und redete mit ihm: Was ist's, daß dein Geist so voller Unmut ist und daß du nicht issest? 21,6 Er sprach zu ihr: Ich habe mit Nabot, dem Jesreeliter, geredet und gesagt: Gib mir deinen Weinberg für Geld, oder, wenn es dir lieber ist, will ich dir einen andern dafür geben. Er aber sprach: Ich will dir meinen Weinberg nicht geben. 21,7 Da sprach seine Frau Isebel zu ihm: Du bist doch König über Israel! Steh auf und iß und sei guten Mutes! Ich werde dir den Weinberg Nabots, des Jesreeliters, verschaffen. 21,8 Und sie schrieb Briefe unter Ahabs Namen und versiegelte sie mit seinem Siegel und sandte sie zu den Ältesten und Oberen, die mit Nabot in seiner Stadt wohnten. 21,9 Und schrieb in den Briefen: Laßt ein Fasten ausrufen und setzt Nabot obenan im Volk, 21,10 und stellt ihm zwei ruchlose Männer gegenüber, die da zeugen und sprechen: Du hast Gott und den König gelästert! Und führt ihn hinaus und steinigt ihn, daß er stirbt. 21,11 Und die Ältesten und Oberen, die mit ihm in seiner Stadt wohnten, taten, wie ihnen Isebel entboten hatte, wie sie in den Briefen geschrieben hatte, die sie zu ihnen sandte, 21,12 und sie ließen ein Fasten ausrufen und ließen Nabot obenan im Volk sitzen. 21,13 Da kamen die zwei ruchlosen Männer und stellten sich ihm gegenüber und verklagten Nabot vor dem Volk und sprachen: Nabot hat Gott und den König gelästert! Da führten sie ihn vor die Stadt hinaus und steinigten ihn, daß er starb. 21,14 Und sie sandten zu Isebel und ließen ihr sagen: Nabot ist gesteinigt und tot. 21,15 Als aber Isebel hörte, daß Nabot gesteinigt und tot war, sprach sie zu Ahab: Steh auf und nimm in Besitz den Weinberg Nabots, des Jesreeliters, der sich geweigert hat, ihn dir für Geld zu geben; denn Nabot lebt nicht mehr, sondern ist tot. 21,16 Als Ahab hörte, daß Nabot tot war, stand er auf, um hinabzugehen zum Weinberge Nabots, des Jesreeliters, und ihn in Besitz zu nehmen. 21,17 Aber das Wort des HERRN kam zu Elia, dem Tischbiter: 21,18 Mach dich auf und geh hinab Ahab, dem König von Israel zu Samaria, entgegen - siehe, er ist im Weinberge Nabots, wohin er hinabgegangen ist, um ihn in Besitz zu nehmen - 21,19 und rede mit ihm und sprich: So spricht der HERR: Du hast gemordet, dazu auch fremdes Erbe geraubt! An der Stätte, wo Hunde das Blut Nabots geleckt haben, sollen Hunde auch dein Blut lecken. 21,20 Und Ahab sprach zu Elia: Hast du mich gefunden, mein Feind? Er aber sprach: Ja, ich habe dich gefunden, weil du dich verkauft hast, Unrecht zu tun vor dem HERRN. 21,21 Siehe, ich will Unheil über dich bringen und dich vertilgen samt deinen Nachkommen und will von Ahab ausrotten, was männlich ist, bis auf den letzten Mann in Israel 21,22 und will dein Haus machen wie das Haus Jerobeams, des Sohnes Nebats, und wie das Haus Baschas, des Sohnes Ahijas, um des Zornes willen, daß du mich erzürnt und Israel sündigen gemacht hast. 21,23 Und auch über Isebel hat der HERR geredet und gesprochen: Die Hunde sollen Isebel fressen an der Mauer Jesreels. 21,24 Wer von Ahab stirbt in der Stadt, den sollen die Hunde fressen, und wer auf dem Felde stirbt, den sollen die Vögel unter dem Himmel fressen. 21,25 Es war niemand, der sich so verkauft hätte, Unrecht zu tun vor dem HERRN wie Ahab, den seine Frau Isebel verführte. 21,26 Und er versündigte sich dadurch über die Maßen, daß er den Götzen nachwandelte, ganz wie die Amoriter getan hatten, die der HERR vor Israel vertrieben hatte. 21,27 Als aber Ahab diese Worte hörte, zerriß er seine Kleider und legte ein härenes Tuch um seinen Leib und fastete und schlief darin und ging bedrückt einher. 21,28 Und das Wort des HERRN kam zu Elia, dem Tischbiter: 21,29 Hast du nicht gesehen, wie sich Ahab vor mir gedemütigt hat? Weil er sich nun vor mir gedemütigt hat, will ich das Unheil nicht kommen lassen zu seinen Lebzeiten, aber zu seines Sohnes Lebzeiten will ich das Unheil über sein Haus bringen.
Die Bibel nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierter Text 1984
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