Lies dich fit - Einführung Evangelien

Evangelium

Der Begriff Evangelium (griechisch: gute Nachricht) hat eine doppelte Bedeutung. Er bezeichnet als literarischer Gattungsbegriff eine Erzählung über das Leben Jesu. In dieser Bedeutung wird der Begriff aber in der Bibel selbst noch nicht gebraucht, sondern erst seit dem 2. Jh. n. Chr. (die Überschriften wie "Evangelium nach Matthäus" entstammen dieser späteren Zeit). Daneben bedeutet Evangelium aber auch im allgemeineren Sinne "gute Nachricht" und bezeichnet deshalb die christliche Verkündigung insgesamt (siehe z. B. Römer 1,14). Evangelium ist also einerseits ein Buch, es ist aber zugleich mehr als ein Buch, nämlich eine frohe Botschaft für alle Menschen.

Das eine Evangelium und die vier Evangelien

Mit dieser doppelten Bedeutung des Begriffes Evangelium ist zugleich eine wichtige theologische Erkenntnis verbunden. Es gibt nur ein Evangelium von Jesus Christus, eine frohe Botschaft (vgl. Galater 1,7). Es gibt aber verschiedene Sichtweisen und Erfahrungen, aus denen heraus dieses eine Evangelium verkündigt wird. Deshalb gibt es im Neuen Testament vier Bücher, die den Titel Evangelium tragen.

Informativ ist in diesem Zusammenhang ein Blick in Lukas 1,1-4 wo der Evangelist über sein Vorgehen beim Verfassen seines Evangeliums berichtet. Er teilt uns dort mit, dass vor ihm bereits andere Personen Berichte über die Geschichte Jesu zusammengestellt haben und dass er selbst diese Ereignisse sorgfältig erkundet und geordnet hat. Er verwendete also einerseits Berichte, die andere verfasst hatten, und er unternahm eigene Recherchen. Aus den Informationen, die ihm vorlagen, ob aus eigenem Erleben oder aus anderen Quellen, stellte er seinen Bericht zusammen.

Jeder der vier Evangelisten hat also seine eigene Sichtweise auf Jesus Christus, und diese Sichtweise ist davon bestimmt, was er selbst erlebt hat und was ihm an Informationen zugänglich geworden ist. So ist es zu erklären, dass die vier Evangelien sowohl im Aufbau als auch in einzelnen Details zuweilen voneinander abweichen. Nicht alles, was die Evangelisten berichten, haben sie selbst erlebt. Vielmehr haben sie auch auf mündliche und schriftliche Überlieferungen zurückgegriffen. Und sie haben in den Gemeinden, für die sie schrieben, verschiedene Probleme und Fragen zu lösen gehabt und deswegen jeweils eigene Schwerpunkte gesetzt.

Dennoch aber sind die vier Evangelien Zeugnisse der einen frohen Botschaft von Jesus Christus, durch die Gott uns Menschen den Zugang zu einem neuen Leben eröffnet. Die Evangelien sind in allererster Linie Predigten. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und Begegnungen mit Jesus Christus wollen sie verkündigen, dass Gott uns Menschen in Jesus ganz nahe gekommen ist. Sie sind deshalb einerseits Worte von Menschen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Andererseits aber spricht Gott selbst im Heiligen Geist durch diese Worte hindurch zu uns, und deshalb sind die Evangelien - wie alle Bücher der Bibel - zugleich Gottes Wort für uns.

Die Entstehung der Evangelien

Im Hinblick auf die ersten drei Evangelien - Matthäus, Markus und Lukas - hat sich in der Forschung die so genannte Zwei-Quellen-Theorie weitgehend durchgesetzt. Sie besagt, dass das Markusevangelium das älteste Evangelium war (entstanden ungefähr um 70 n. Chr. Voraus ging eine längere Phase der mündlichen Überlieferung und Sammlung der Berichte über Jesus). Matthäus und Lukas (ca. 80 - 90 n. Chr.) verwendeten dieses Evangelium als Quelle und ergänzten es mit Worten und Geschichten aus einer zweiten Quelle, die man als Spruchquelle bezeichnet (daneben enthalten beide Evangelien für sich jeweils noch eigene Überlieferungen). Das Johannesevangelium enthält hingegen viel eigenes Material über Jesus, was dafür spricht, dass es relativ unabhängig von den anderen drei Evangelien entstanden ist (vermutlich um 100 n. Chr.) Weitere Einzelheiten dazu in den Einführungen zu den einzelnen Büchern.


Einführung zu: Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas, Apostelgeschichte Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheus, Titus, Philemon, Johannes, Hebräer, Jakobus, Judas, Offenbarung



   zuletzt aktualisiert am: 20.11.2006