Lies dich fit - Einführung zum zweiten Brief des Paulus an die Korinther

1. Der 2 Kor ist wohl der persönlichste Brief des Apostels Paulus, denn er muss sich darin mit verschiedenen Angriffen auf seine Person und seinen Dienst als Prediger auseinander setzen (zur Vorgeschichte siehe die Ausführungen zum 1. Korintherbrief). Bei einem zwischenzeitlichen Besuch in Korinth (nach der Abfassung des 1 Kor) war es offenbar zu einem Zwischenfall gekommen, der Paulus zur Abreise veranlasst hatte. Er war in irgendeiner Weise durch ein Gemeindeglied verletzt worden (Hinweise darauf gibt 2 Kor 2). Verschiedene Aussagen lassen ferner erkennen, dass Paulus sich dem Vorwurf konfrontiert sah, dass sein Auftreten schwächlich und ohne Vollmacht sei.

2. Er antwortet darauf mit dem Hinweis, dass sein Auftreten der Botschaft selbst entspricht, die ja gerade darin ihren Kern hat, dass Gottes Kraft "in den Schwachen mächtig" ist (2 Kor 12,9). Wer demgegenüber auf (menschliche) Macht und Kraft setzt, sucht seine eigene Ehre (4,7; 10,12-18). Obwohl es also vom Anlass her um die persönliche Verteidigung des Paulus geht, ist der Brief doch zuerst ein Loblied auf die Gnade Gottes, die uns Menschen in der Predigt des Evangeliums begegnet. Die Leiden des Apostels, seine Niederlagen und Mühen, fallen demgegenüber nicht ins Gewicht. Diese Gewichtung zeigt schon der Beginn des Briefes: "Haben wir aber Trübsal, so geschieht es euch zu Trost und Heil" (1,6). Später sagt Paulus: "wir predigen nicht uns selbst, sondern Jesus Christus" (4,5), der die Menschen mit Gott versöhnt hat (5,11-21). Man spürt freilich auch die Verletzungen, die durch die Anfeindungen in Paulus entstanden sind, und die ihn dann zu Sätzen wie den verleiten, dass er mehr als die anderen gearbeitet hätte (11,23). Und so betont er seine Mühen und Leiden (gerade im Kapitel 11) in den Augen eines unbeteiligten Betrachters vielleicht doch etwas zu stark, dennoch verliert er dabei nie aus dem Blick, dass es nicht um seine eigene Person geht, sondern um seinen Auftrag als Botschafter der Versöhnung (Kap. 5).

3. Entstanden ist der Brief vermutlich ein knappes Jahr nach der Abfassung des 1. Korintherbriefes, also Ende 55 n. Chr., in Mazedonien (siehe 7,5 und 8,1 sowie Apostelgeschichte 20,1-5).

Dr. Thomas Knittel, Pfarrer z.A.


Einführung zu: Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas, Apostelgeschichte Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheus, Titus, Philemon, Johannes, Hebräer, Jakobus, Judas, Offenbarung



   zuletzt aktualisiert am: 20.11.2006