Lies dich fit - Einführung zur Apostelgeschichte

1. Die Apg bildet zusammen mit dem Lukasevangelium ein einheitliches Werk, sie dürfte im letzten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts entstanden sein. Über den Verfasser lässt sich wenig Sicheres sagen (siehe auch Teil 7). Manche nehmen an, dass es sich um den im Neuen Testament an verschiedenen Stellen erwähnten Paulusmitarbeiter Lukas handelt. Dagegen sprechen jedoch einige kleinere Unterschiede in der Darstellung zwischen Apostelgeschichte und Paulusbriefen. Lukas bezeichnet Paulus z.B. nirgends als Apostel (für ihn gibt es nur die zwölf Apostel in Jerusalem), während Paulus selbst sich in seinen Briefen fast immer als Apostel bezeichnet. Auch die Berichte über die Apostelversammlung in Jerusalem (Apg 15 und Galater 2) sind nicht in allen Punkten deckungsgleich. In der Regel betrifft dies aber Kleinigkeiten, aufs Ganze gesehen verfügt der Verfasser der Apostelgeschichte über umfassende Kenntnisse des paulinischen Wirkens, auch wenn er wohl kein Augenzeuge dieser Geschehnisse war. Er hat alles gründlich recherchiert (siehe Lukas 1,3) und eventuell auch bereits schriftliche Quellen vorliegen gehabt. Dafür könnten die Stellen der Apg sprechen, die in der Wir-Form verfasst sind.

2. Lukas ist Geschichtsschreiber und Theologe, sein Geschichtswerk will vor allem der Verkündigung und Glaubensstärkung dienen. Es behandelt den "Siegeszug" des Evangeliums, ausgehend von der "Provinz" (im politischen Sinn) bis hin in das Herz der damaligen Welt, die Stadt Rom. Apg 1,8 hat daher programmatische Bedeutung: "und (ihr) werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde." Diesen drei Etappen (in Jerusalem; in Judäa und Samarien; in der ganzen Welt) entspricht der Aufbau der Apg. Die Kapitel 1-7 behandeln die Entstehung der Urgemeinde und schildern das Leben der ersten Christen (Jerusalem), die Kapitel 8-12 schildern die Ausbreitung des Christentums im Umland (Judäa und Samarien), und der letzte Hauptteil (ab Kapitel 13) berichtet schließlich vom Lauf der guten Nachricht bis hin nach Rom. In diesem letzten Teil steht naturgemäß der Apostel Paulus im Mittelpunkt.

3. Welche Ziele verfolgt Lukas mit dieser Darstellung? Er will zum einen mit der Schilderung der idealen Urzeit (siehe vor allem Apg 2) den Christen seiner Zeit gewissermaßen einen Spiegel vorhalten. An der Anfangszeit muss sich alles messen lassen. Er will ferner den Lauf des Evangeliums als ein Werk vor Augen führen, bei dem zwar Menschen beteiligt waren, Gott aber in allem das Regiment führte. Und schließlich will er eine Linie aufzeigen, die von den jüdischen Wurzeln des Christentums hin zur Heidenmission (also zur Ausbreitung des Evangeliums unter Nichtjuden) führt. Er will damit zeigen, dass das Christentum in der Tradition des Judentums steht, sich aber über dessen Grenzen (von Gottes Geist geleitet) hinausbewegt hat.

Dr. Thomas Knittel, Pfarrer z.A.


Einführung zu: Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas, Apostelgeschichte Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheus, Titus, Philemon, Johannes, Hebräer, Jakobus, Judas, Offenbarung



   zuletzt aktualisiert am: 20.11.2006