Lies dich fit - Einführung zum Brief des Jakobus
1. Auch die drei Johannesbriefe, die zu den so genannten katholischen Briefen gehören (siehe Teil 5: Jakobusbrief), gehen auf Konflikte in den Gemeinden des frühen Christentums zurück. Der Name Johannes begegnet außerhalb der Überschriften nicht. Im 2. und 3. Joh nennt sich der Verfasser selbst "der Älteste", während im 1. Joh jegliche Angaben über den Verfasser fehlen. Man kann daher wenig über den Verfasser der Briefe sagen, und es ist nicht sicher, dass die verschiedenen johanneischen Schriften (Johannesevangelium, Johannesbriefe, Johannesoffenbarung) von ein und demselben Autor stammen. Gleichwohl stehen diese Schriften inhaltlich in einem engen Zusammenhang. Von vielen Forschern wird deshalb die These vertreten, dass es (vermutlich in der Stadt Ephesus) eine johanneische Schule gab, in deren Umkreis diese Schriften (im letzten Drittel des 1. Jh. n. Chr.) entstanden sind.
2. Der 1. Joh setzt sich mit der Lehre des so genannten Doketismus auseinander. Damit ist eine Lehre gemeint, die behauptet, Christus sei nicht wirklich ein Mensch aus Fleisch und Blut gewesen, sondern nur scheinbar (griechisch: dokeo = scheinen). Dementsprechend wäre er auch nicht tatsächlich am Kreuz gestorben. Demgegenüber betont Johannes, dass Christus tatsächlich "ins Fleisch gekommen" (also Mensch geworden) ist. Wer dies bekennt, ist vom Geist Gottes geprägt, die Gegner stehen hingegen unter dem Einfluss des Antichristen (1. Joh 4,2-3). Diese Kritik ist deswegen so scharf, weil mit der Leugnung der Menschwerdung und Kreuzigung Jesu einer der Kernpunkte des christlichen Glaubens berührt ist. Neben der vollkommenen Menschwerdung Jesu Christi ist aber auch seine enge Verbindung mit Gott, dem Vater wichtig (2,22-23). Denn nur dadurch, dass Jesus Gott und Mensch in einer Person war, konnte er uns Menschen erlösen. Wenn wir mit Jesus Christus verbunden sind, sind wir auch mit Gott verbunden.
3. Die Folge dieser Verbundenheit mit Gott ist auch eine Verbundenheit der Christen untereinander. Die Liebe zwischen Geschwistern im Glauben ist daher von der Liebe zu Gott untrennbar, wie überhaupt das Halten der Gebote ein Ausdruck der Gemeinschaft mit Gott ist (3,24). Andererseits betont der 1. Joh aber auch, dass kein Mensch ohne Sünde ist (1,8-10).
4. Ein besonderes Problem des 1. Joh stellt die in 5,16 erwähnte "Sünde zum Tode" dar. Offenbar ist damit eine bewusste und entschlossene Trennung von Gott gemeint, womit Johannes vermutlich auch die Lehre des Doketismus (siehe oben) meint. (Etwas dieser Stelle Vergleichbares finden wir in Matthäus 12,31-32 [Sünde gegen den Heiligen Geist] sowie in Hebräer 6,4-6 [siehe Teil 11]). Wichtig ist hier aber auch die Beachtung des Zusammenhangs, zwei Verse weiter heißt es: "wer von Gott geboren ist, den bewahrt er und der Böse tastet ihn nicht an." Wer an Jesus Christus glaubt, wird auch von ihm bewahrt.
5. Im 2. Joh geht es noch einmal um die Auseinandersetzung mit dem Doketismus (V. 7), und die Gemeinde wird aufgefordert, sich von dieser Lehre abzugrenzen. Der 3. Joh spricht hingegen relativ allgemein von Spannungen in der Gemeinde, die wohl darin bestanden, dass der Gemeindeleiter Diotrephes bestimmte Johannes nahe stehende Wandermissionare nicht aufgenommen hat (zu diesen gehörte vermutlich auch der in V. 12 erwähnte Demetrius). Diotrephes betonte dabei die Selbständigkeit der Ortsgemeinde gegenüber übergemeindlichen Autoritäten, was von Johannes abgelehnt wird. Andererseits ging es sicher auch um verschiedene theologische Positionen, die aber nicht näher genannt werden. Eventuell könnten es die gleichen Streitpunkte gewesen sein wie im 2. Johannesbrief (siehe oben).
Einführung zu: Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas, Apostelgeschichte Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheus, Titus, Philemon, Johannes, Hebräer, Jakobus, Judas, Offenbarung

