Lies dich fit - Einführung zum Evangelium des Matthäus

Sowohl Matthäus und Lukas haben Markus als Quelle verwendet und folgen dementsprechend in ihrem Aufbau dem Markusevangelium. Nach einem ersten Hauptteil, der vom Wirken Jesu in Galiläa berichtet, behandelt der zweite Hauptteil (bei Matthäus ab Kapitel 21) die Ereignisse in Jerusalem mit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu als Höhepunkt. Ähnlich wie Lukas hat auch Matthäus einen längeren Bericht über die Geburt Jesu, über Johannes den Täufer und die Versuchung Jesu vorangestellt (Kap. 1-4).

Kennzeichnend für das Mt sind fünf große Reden Jesu, in denen Worte Jesu thematisch zusammengestellt sind, die in den anderen Evangelien an verschiedenen Stellen überliefert werden. Diese Reden handeln vom christlichen Lebenswandel (5-7), von der Aussendung in die Welt (10), vom Reich Gottes (13), vom Gemeindeleben (18) und vom jüngsten Gericht (24-25). An diesen Reden zeigt sich, welche Themen für das Mt besonders wichtig sind und dass Jesus hier sehr stark als Lehrer der Gemeinde verstanden wird.

Zu den Besonderheiten des Mt gehört ferner, dass wesentlich häufiger als in den anderen Evangelien das Alte Testament zitiert wird. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass in der Geschichte Jesu die Verheißungen des Alten Testaments in Erfüllung gegangen sind (Beispiele: Mt 1,22; 2,5-6; 27,9-10).

Eine sehr wichtige Stelle für das Verständnis des Mt ist schließlich auch der so genannte Missionsbefehl in Mt 28,18-20. Er fasst noch einmal die Kernaussagen des Evangeliums zusammen: Jesus ist der Herr über alles (mir ist gegeben alle Gewalt), das Evangelium gilt allen Völkern (machet zu Jüngern alle Völker), die Nachfolge Jesu betrifft das ganze Leben (lehret sie halten alles) und: wir können immer auf den Beistand Gottes zählen (ich bin bei euch alle Tage).

Das Mt wurde in griechischer Sprache geschrieben und entstand vermutlich in Syrien (siehe dazu auch Mt 4,24). Die Gemeinde, in der es entstand, war aus Juden und Nichtjuden zusammengesetzt. Deshalb wird an verschiedenen Stellen (z.B. Mt 2,1-12; 8,10-12; 28,19) betont, dass die Geschichte Jesu nicht allein auf Israel und das Judentum bezogen ist, sondern universale Bedeutung hat (Diese Frage war ja im Urchristentum umstritten, siehe dazu u.a. Apostelgeschichte 10 und 15). Aus der Verwendung des Markusevangeliums lässt sich schließen, dass das Mt ca. 80-90 n. Chr. entstanden ist. Auf jeden Fall wird es bereits zu Beginn des zweiten Jahrhunderts in anderen Schriften zitiert. Über den Verfasser erfahren wir aus dem Evangelium selbst nichts. In der alten Kirche nahm man an, dass der in Mt 9,9-13 und 10,3 erwähnte Zöllner Matthäus das Evangelium geschrieben hat. Dagegen spricht aber, dass das Mt in griechischer Sprache geschrieben wurde und dass das Markusevangelium vorausgesetzt wird. Die Erklärung für die Zuschreibung des Evangeliums an den Jünger Matthäus, die erst im 2. Jahrhundert ausdrücklich bezeugt ist, besteht wohl darin, dass dieser Jünger Matthäus für die Gemeinde, in der das Evangelium entstand, eine besondere Bedeutung und Autorität hatte. Freilich hat diese Schwierigkeit, Genaueres über den Verfasser zu sagen, auch einen tieferen theologischen Grund: hinter dem, was sich in der Geschichte Jesu Christi ereignet hat, nämlich, dass Gott selbst uns Menschen nahe gekommen ist um uns zu erlösen, kann der Verfasser des Berichts getrost zurücktreten. Die meisten biblischen Autoren machen deshalb von sich selbst wenig Worte, sie wollen als Zeugen hinweisen auf Jesus Christus.

Dr. Thomas Knittel, Pfarrer z.A.


Einführung zu: Evangelien, Matthäus, Markus, Lukas, Apostelgeschichte Römer, 1. Korinther, 2. Korinther, Galater, Philipper, Kolosser, Thessalonicher, Timotheus, Titus, Philemon, Johannes, Hebräer, Jakobus, Judas, Offenbarung



   zuletzt aktualisiert am: 20.11.2006