Presseinformation: Gedenken an den 17. September 1978 in der gottesdienstlichen Fürbitte

Im Jahr 2018 liegt die Selbstverbrennung des Pfarrers Rolf Günther 40 Jahre zurück. Sie ist ein trauriger Teil unserer Geschichte. Vor 10 Jahren haben die Ev.-Luth. Kirchgemeinde Falkenstein und die Evangelisch-Luth. Landeskirche Sachsens nach intensiven Gesprächen eine gemeinsame Erklärung verfasst, die damals vollständig oder auszugsweise in der Presse veröffentlicht wurde. Darin heißt es:

Die Selbstverbrennung des sächsischen Pfarrers Rolf Günther im Gottesdienst am 17. September 1978 ist bis heute für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens und für die Kirchgemeinde Falkenstein ein schmerzliches Ereignis. Pfr. Günther erlag sofort seinen Brandverletzungen. Die über 300 Gottesdienstbesucher verließen geschockt und verstört die Kirche. Pfarrer Rolf Günther war seit 1968 einer der drei Pfarrer dieser Kirchgemeinde. Die Selbstverbrennung löste tiefe Bestürzung in der Landeskirche aus. Sie war keine politisch motivierte Tat.

Zur Aufarbeitung des Geschehens wird in der Erklärung von 2008 Folgendes angeführt:

Die nach dem Tod von Rolf Günther aufbrechenden kritischen Anfragen an die Leitungsverantwortung in der Landeskirche und an die Grundlagen des Zusammenlebens von Christen unterschiedlicher persönlicher und theologischer Prägung sind eine ernste Mahnung. Daher befassten sich die Kirchenleitung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und die Kirchgemeinde Falkenstein aus dem Abstand von 30 Jahren erneut mit dem Geschehen in Falkenstein. Sie bedauern zutiefst diese Ereignisse und dass die seinerzeit unternommenen Bemühungen nicht die Selbsttötung verhindern konnten.

Am Tag, als Rolf Günther auf eigenen Wunsch in seinem Heimatort Wittgensdorf beerdigt wurde, begannen in der Kirchgemeinde Falkenstein mit einer Buß- und Gebetsstunde die Bemühungen, dieses Geschehen zu fassen und zu verarbeiten. Sie wurden schrittweise weitergeführt, vor allem indem in Gottesdiensten in zeitlicher Nähe zum 17. September an das damalige Geschehen und die von Gott geschenkte Bewahrung erinnert wurde.

In der Landeskirche wurden seit Oktober 1978 auf mehreren Tagungen der Landessynode und in kirchlichen Gremien die grundsätzlichen Fragen aufgegriffen, die sich aus dem Geschehen in Falkenstein ergaben. Der Schwerpunkt lag auf den persönlichkeitsbezogenen und den geistlich-theologischen Fragen sowie auf Fragen der innerkirchlichen Kommunikation innerhalb der Kirchgemeinden und zwischen ihnen und den Leitungsgremien. Damals stellten sich auch kirchenleitende Persönlichkeiten öffentlich der Klage: „Wir sind allein gelassen worden.“

Erst nach der politischen Wende wurde aus den Unterlagen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR erkennbar, wie gezielt in Verbindung mit den polizeilichen Ermittlungen die Staatssicherheit die Ereignisse in Falkenstein zur Zersetzungsarbeit in der sächsischen Landeskirche nutzte. Die Operative Beobachtung und die Instrumentalisierung von Personen, die Beobachtungen von Gruppierungen innerhalb der Landeskirche, anonyme Briefe und Plakate, die Überwachung von Telefonaten sollten dem Ziel dienen, das Ansehen der Kirche zu schädigen und Christen in Betrieben und Schulen zu verunsichern. Diese Maßnahmen verdeutlichen die schwierige Lage der Christen, der Landeskirche und ihrer Gemeinden im politischen und weltanschaulich-atheistischen System der DDR.

Die schmerzlichen Ereignisse vor 40 Jahren können als Teil der Geschichte der Landeskirche und der Kirchgemeinde Falkenstein nicht ungeschehen gemacht werden. Sie zeigen die Notwendigkeit und auch die Grenzen geistlicher und menschlicher Bemühungen in schwierigen Situationen. Sie sind für viele Menschen und für die sächsische Landeskirche eine Erinnerung und Mahnung. Am 17. September 2008 fand in der Kirche zu Falkenstein eine Andacht zur Erinnerung an die Ereignisse statt. Am Sonntag, dem 16. September 2018 wird in der Fürbitte im Gottesdienst an das Geschehen vor nunmehr 40 Jahren gedacht werden.

Der Kirchenvorstand, 28.02.2018