Fragen kostet nichts

Erkundigt euch, welchen Weg eure Vorfahren gegangen sind. Fragt nach dem richtigen Weg, und dann beschreitet ihn. So wird euer Leben Erfüllung finden.

Jeremia 6,16

Fragen nicht, aber Antworten und zumal die Richtigen. Info-Telefone haben saftige Gebühren und Hotlines sind auch nur die erste Zeit kostenlos. Man weiß so viel. Die Zeit in der sich das Wissen der Menschheit verdoppelt wird immer kürzer. Du kannst im Internet in wenigen Minuten herausfinden in welchem Ort, in welcher Pension, für welchen Preis, welche Zimmer frei sind. Aber wie du deinen Urlaub alleine oder zu zweit oder mit der ganzen Familie zufriedenstellend gestalten kannst, da sind wahrscheinlich auch die schnellsten Suchmaschinen überfragt. Du kannst dich informieren über deinen gesundheitlichen Zustand. Computer zeigen dir schwarz auf weiß die Beschaffenheit deiner Wirbelsäule oder irgendwelcher innerer Organe. Aber welchen Stellenwert Schmerzen in deinem Leben haben, oder Behinderung oder die Tatsache abnehmender Kräfte, damit wirst du dich selber auseinandersetzen müssen. Ein Vater hat einmal seinem Sohn folgendes Lebensprinzip mit auf den Weg gegeben: 1. Fehler machen wir alle immer wieder. 2. Wichtig ist, dass wir daraus lernen. 3. Schlimm ist, wenn wir vertuschen, tricksen, täuschen. 4. Weil dann das Vertrauensverhältnis untereinander zerstört oder zumindest getrübt wird. Das Fragen nach dem richtigen Weg; das Schauen wie Leben gelingt ist lebenswichtig. Unsere Zeit, unsere Gesellschaft scheint zu antworten: immer mehr, immer größer, prickelnder, schöner, sanfter, weicher, aufregender, stärker, sinnlicher. Die Realität zeigt, ob das der richtige Weg zu einem erfüllten (Zusammen-) Leben ist. Wollen Sie sich den wichtigen Fragen des Lebens stellen? Oder überhaupt erstmal nachdenken welche dazugehören? Haben wir heute soviele (zuviele) Antworten, oder haben wir so wenig Fragen? Oder wollen wir manchmal gar nicht wissen, weil es uns in Unruhe setzen könnte? Die Antwort könnte eine Frage an mich sein. Ein In-frage-stellen meines bisherigen Weges. Es könnten Mißstände, überdeckte Sehnsüchte ans Licht kommen. Es scheint einfacher sich von den mittelfristigen Dingen in Beschlag nehmen zu lassen. Das ist kurzsichtig. Gott sagt dazu: »Sie sagen Friede, Friede und da ist doch kein Friede.« Zugespitzt: Etwas läuft auf eine Katastrophe zu und doch tut sich nichts. jemand weiß: Das geht nicht gut. Und doch ändert er nichts. Warum stellen wir uns den wichtigen Fragen so oft nicht? Aus Stolz? Aus Bequemlichkeit? Aus Angst? ja, solche Fragen kosten etwas, aber es lohnt sich. Gott hat damals durch den Propheten Jeremia sein Volk Israel vor dem faulen Frieden gewarnt. Er macht Mut zum Aufwachen, zum Aufhorchen. Gott plädiert für Aufmerksamkeit und eben dafür aus Fehlern (denen anderer und den eigenen) zu lernen. Diese Haltung kommt im folgenden Gebet aus Psalm 139 zum Ausdruck: »Durchforsche mich, Gott sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken! Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen, dann bring mich zurück auf den Weg zu dir!«

Viel Mut zum Fragen, wünscht ihnen Karsten Hellwig.

Karsten Hellwig
Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft