Welt ging verloren

Jesus Christus spricht:

"Im Himmel wird mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte."

Lukas 15,7

so heißt es in einem alten Weihnachtslied. "Hoffentlich geht unsere Erde nicht kaputt. Hoffentlich ist das nicht der Beginn des III. Weltkrieges." - so werden viele in den letzten Wochen gedacht haben. Die beiden Türme des World Trade Centers stürzten ein wie der Schornstein der Falgard. Bloß dass es hier eine gut vorbereitete Aktion und der Beginn von etwas Neuem war und dort in New York ein Terrorakt mit bisher noch nicht dagewesenen Ausmaßen und vielen tausenden Toten als Opfer.

Während ich diese Zeilen schreibe und wahrscheinlich auch während Sie diese Zeilen lesen sind die finanziellen, wirtschaftlichen, politischen und militärischen Folgen noch nicht abzusehen. Wir fragen uns: Was wird aus dieser Welt? Ist das der Anfang vom Ende? Wie viele solcher kranken Aktionen werden wir noch überstehen? Wie lange wird es an uns vorbeigehen? Ist der Frieden noch zu retten? Ist diese Welt verloren? - Die Welt, die Menschheit ist verloren ohne Gott, ohne das Vertrauen zu Gott.

Das meint die Liedzeile und davon wird in der Bibel als von dem sogenannten Sündenfall berichtet. Es ist das Misstrauensvotum des Menschen gegen Gott. Dem Sündenfall folgt der Brudermord. Kain ermordet seinen Bruder Abel. Und diese Geschichte vollzieht sich bis in unsere Gegenwart. Ist dieses unfassbare Drama von New York und Washington nicht auch ein Brudermord? So sollte es doch sein, dass wir auch die arabischen Menschen als unsere Brüder ansehen können und sie uns auch. Aber der Mensch hat ja schon Schwierigkeiten im eigenen Land, in der eigenen Stadt, in der eigenen Familie für Frieden zu sorgen.

Die obige Liedzeile heißt ganz so: Welt ging verloren, Christ ward geboren. Im heutigen Deutsch: Gott sind seine verlorenen Menschen nicht egal. Er schickt seinen Sohn auf die Suche. Im heutigen Computer-Deutsch: Gott in 'search mode'.

Es ist wohl die herausragendste Eigenschaft Gottes, wie er als Vater ständig auf der Suche nach seinen Menschen ist. Er sucht nicht nach Menschen, die besonders gut sind; die alles schaffen und die alles besser machen. Gott sieht unsere Verlorenheit, die verfahrene Situation, die vergeblichen Versuche, die Zerrissenheit, das ewige Hin und Her. Gott freut sich über jeden Menschen, der sich finden lässt von ihm; der seine Verlorenheit erkennt und umkehrt. Es kann etwas sehr Befreiendes sein, wenn man einfach mal zugibt: Ohne Hilfe bin ich verloren. Ohne sich von Gott finden zu lassen ist die Welt, die Menschheit, der einzelne Mensch verloren.

Auf dieser Welt wird die Menschheit auch nach der Tragödie von New York irgendwann zur Tagesordnung zurückkehren. Selbstgerechtigkeit und Bequemlichkeit werden wieder Einzug in den Alltag halten. Der Schock, der zum Nachdenken angeregt hat, wird verdrängt; hoffend darauf, dass die Anti-Terror-Aktionen fruchten. Und gerade darum möchte ich Sie daran erinnern: Der Vater im Himmel wartet darauf, dass Sie nach Hause kommen. jeder einzelne Mensch ist Anlass zu einer Riesenfreude.

Viel Grund zu himmlischer Freude wünscht Ihnen

Karsten Hellwig
Falkensteiner Anzeiger, 27. September 2001