Wer sucht, kann finden

Jeder von Ihnen kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass er etwas gesucht hat: die auf der Nase sitzende Brille, einen Schlüsselbund, ein verloren gegangenes Kind im Kaufhaus, ein wichtiges Dokument und vieles andere mehr. Oft liegt es an unserer Unachtsamkeit und Unordnung, wenn wir etwas suchen. Aber es gibt auch ein anderes Suchen. Da sucht z.B. ein junger Mann ein Mädchen, nicht irgend eines, sondern das, welches später einmal seine Frau werden soll, mit der er sein Leben teilen möchte. Oder da sucht jemand eine Arbeitsstelle, eine Tätigkeit wo er nicht nur einfach Geld verdient, sondern die ihn ausfüllt und weiterbringt die ihn in seiner Persönlichkeit fördert Und wachsen lässt Der Bibelvers für den Monat November zeigt uns den suchenden Gott.

Gott spricht:

"Ich will das Verlorene suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist."

Hesekiel 34, 16

Gott ist nicht etwa auf der Suche nach Menschen, weil er in irgendeiner Form oder irgendwann nachlässig oder unachtsam war. Nein, Gott ist auf der Suche nach uns Menschen, weil wir nachlässig und gleichgültig seine Nähe verloren und verspielt haben. Gott muss uns auch nicht deshalb suchen, weil er nicht wüsste wo wir uns gerade befinden und in welchen Situationen. Das weiß Gott sehr genau. Wenn einer weiß, wo und wie wir uns gerade befinden, dann ist es Gott. Gott könnte jeden Menschen in jeder Situationen und zu jeder Zeit sofort "packen" und uns in seine Nähe stellen, wo jeder Mensch hingehört. Wir Menschen sind ja sein Werk, geschaffen von ihm und für ihn. Wir Menschen sind doch keine zufälligen Entwicklungen in einer langen Evolutionsreihe. Wir sind kein Zufallsprodukt der Natur, sondern ein in Liebe und Großartigkeit geschaffenes Gegenüber dem Schöpfer. Und dieses großartige Gegenüber Gottes hat sich verselbständigt, will mit seinem Schöpfer nichts mehr zu tun haben. Aber weil unser Schöpfer weiß, was das in der Konsequenz für uns bedeutet, geht er nicht gleichgültig darüber hinweg, sondern sucht uns, wirbt um uns. Er will uns diese Auszeichnung, Gottes Ebenbild zu sein, die wir vergeigt haben, wieder zurückgeben. So viel ist jeder Mensch Gott wert. Deshalb ist Gott auf der Suche nach uns.

Was das bedeutet, ohne Gott nur aus mir selbst und für mich selbst zu leben, können wir in diesem Vers aus Hes. 34, 16 sehr deutlich erkennen. Gott deutet an, was aus uns geworden ist: "Verlorene, Verwundete, Schwache". Da kann Gott, unser Schöpfer, nicht einfach zuschauen. Die größte Suchaktion Gottes ist das, was wir in den nächsten Wochen wieder gemeinsam begehen: die Weihnachtszeit, das, was wir zu Weihnachten feiern. Gott wird Mensch in Jesus, seinem Sohn. Gott in seiner Größe und Heiligkeit macht sich in dem Kind in der Krippe So verletzlich klein. Er kommt uns zum Anfassen nahe. Als Erwachsener, als etwa dreißigjähriger Mann geht er auf die Suche nach uns verlorenen, verwundeten und schwachen Menschen. Um diese Suchaktion eindeutig zu machen, nimmt er die Sünde, jedes Gott-lose Leben jedes einzelnen von uns auf sich selbst und stirbt den Tod eines Verbrechers.

Das Suchen Jesu ist aber nur die eine Seite. Dass wir uns finden lassen, ist die andere Seite. Die einzig normale und folgerichtige Antwort auf Gottes Liebeseinsatz heißt: Hier bin ich, Gott. Hier hast du mich. Ich brauche dich. Bring mich zurück, verbinde und stärke mich!

Nur so kann es Advent und Weihnachten werden.

Pfarrer Volkmar Körner
Falkensteiner Anzeiger, November 2001