Dein Licht kommt ...

Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des HERRN geht auf über dir!

Jesaja 60,1

Jedes Jahr in der Woche zum 1. Advent erlebt unsere Stadt eine große Verwandlung: Wohnungen und Straßen werden adventlich geschmückt, Schwibbögen und Lichterketten erstrahlen in den Fenstern. So mancher kann kaum erwarten, bis es wieder soweit ist! Ich freue mich darüber, dass bei uns im Gebirge viele Adventsbräuche bis heute so lebendig sind. Wissen wir aber auch noch, was sie bedeuten?

Das häufigste Symbol der Adventszeit ist die Kerze. In keiner anderen Zeit des Jahres werden so viele Kerzen angezündet wie im Advent. Alle Kerzen (auch die elektrischen!) wollen uns hinweisen auf Jesus Christus, von dem die Bibel sagt, dass er "das Licht der Welt" ist: das Licht für unser eigenes Leben und für jedes Menschenleben. Ich bin einmal durch besondere Umstände auf einer Höhlenwanderung im Dachsteingebirge an einer Stelle im Berg allein zurückgeblieben; die anderen hatten es nicht gemerkt und waren weitergegangen. Wenn einen dann auf einmal totale Finsternis umgibt, dass man keinen Weg und Steg mehr findet - das ist alles andere als schön. Wie froh war ich, als auf mein Rufen hin einige mit Lampen zurückkamen und ich wieder den Weg sehen konnte! So geht es uns auch mitunter auf unserem Lebensweg: es gibt Stellen, wo wir nicht mehr sehen, wie es weitergehen soll. Vielen hat sich dann Jesus Christus als das Licht auf ihrem Weg erwiesen.

Immer mehr ist in letzter Zeit bei uns in Falkenstein auch der Schwibbogen zum Symbol der Adventszeit geworden. Wenn seine Lichter durch die Fenster hinausleuchten, bringen sie zum Ausdruck: unser Licht soll auch für die Anderen, die draußen vorbeigehen, scheinen und für sie ein Gruß sein. Ebenso wollen wir die Freude der Weihnachtszeit und den Glauben an Jesus Christus nicht für uns allein behalten, sondern mit Anderen teilen.

Was wäre die Adventszeit ohne die Adventssterne in ihrer ganzen Vielfalt, ob als Strohsterne, als Zimtsterne oder als Herrnhuter Adventssterne mit entsprechender Beleuchtung? In alttestamentlichen Weissagungen wird das Kommen Jesu mit dem Aufgehen eines Sternes verglichen ("Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen" 4. Mose 24,17) Der Stern ist damit Ausdruck des Wartens auf den HERRN, so wie die Menschen einst lange auf sein Kommen gewartet haben. Aber man kann natürlich auch an den Stern denken, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe geführt hat.

Und vergessen wir, wenn wir von Symbolen der Adventszeit reden, auch nicht die Drehtürme! Im Museum gibt es herrliche Exemplare davon. Und trotzdem kann man es keiner Familie verdenken, wenn sie "ihren" Drehturm für den schönsten hält! Übrigens: "meinen" Drehturm habe ich vor vielen Jahren als Student gekauft und ich finde es so gut, dass an ihm das Jesuskind mit Maria und Joseph die Mitte bilden und alles andere - Könige, Hirten und Schafe - sich um diese Mitte dreht. So soll es ja auch zu Weihnachten sein: dass der, der zu Weihnachten in die Weit kam, Mittelpunkt unseres Feierns ist. Wo sich alles, was für uns sonst noch zu Weihnachten gehört, um diese Mitte dreht, bekommt Weihnachten seinen rechten Sinn!

Übrigens: haben Sie in Ihrer Wohnung eine Weihnachtskrippe? Sie stellt ja mit ihren Figuren die Geschichte der Geburt Christi dar, wie sie in der Bibel beschrieben ist. Schauen Sie sich auf jeden Fall auch unsere schöne Weihnachtskrippe mit den lebensgroßen Figuren in der Kirche an! Es ist eine von unseren Schnitzern mit viel Liebe gestaltete Darstellung der Christgeburt, und bestimmt ist auch dieses Jahr wieder einiges Neue hinzugekommen.

Eine gesegnete und besinnliche Adventszeit wünscht Ihnen

Pfarrer Helfried Gneuß
Falkensteiner Anzeiger, 29.11.2001