Siegerlohn oder Verpflegungsstation

Lasst uns mit Ausdauer in dem Wettkampf laufen, der uns aufgetragen ist,
und dabei auf Jesus blicken, den Urheber und Vollender des Glaubens.

Hebräer 12, 1-2

Ich glaube es erfordert viel Mut das Leben durchgehend ehrlich zu leben. Und ich meine damit Ehrlichkeit im Sinne von Wahrnehmen von Verantwortung. So dass ich guten Gewissens vor mich selbst und vor andere - mir anvertraute Menschen - und vor Gott hintreten kann. Es sind so viele Möglichkeiten auszusteigen, aufzugeben und auszuweichen. Es besteht die Gefahr der Frustration oder der Oberflächlichkeit.

Im Bibelwort des Monats wird das Leben mit einem Marathonlauf verglichen. Der Lebenslauf wird als Glaubenslauf gesehen. Das Ziel des Glaubenslaufs ist noch über dieses Leben hinaus. Es ist wichtig, dass wir Ziele haben. Viele kluge Autoren unserer Zeit weisen uns darauf hin: Willst Du im Leben etwas erreichen brauchst Du ein klares Ziel auf das Du ausgerichtet bist.

Das kräftemäßig anspruchsvollste Sportereignis unserer Zeit ist wohl die Tour de France. Vielleicht noch mehr als der Iron Man, weil es sich über Wochen hinzieht, in denen man immer top sein muss. Es gibt Sportler, die können eine Etappe gewinnen aber nicht die Tour. Auf jeder Etappe gibt es Verpflegungsstationen - die sind wichtig und gut - stellen Sie sich vor, jemand verwechselt irrtümlicherweise solch eine Verpflegungsstation mit dem Etappenziel: er hat verloren. Und wer eine Etappe gewonnen hat und dabei soviel Kraft investiert hat, so dass es für die ganze Tour nicht mehr reicht, der hat verloren. Den Lohn des Siegers (bei der Tour de France die Ehrenrunde über die ChampsElysées) erhält nur, wer bis zum Ende durchhält.

Die Etappenziele ordnen sich der Tour unter. Ziele im Leben sind hilfreiche (Verpflegungs-) Stationen, solange sie sich dem eigentlichen Lebensziel unterordnen.

Zurück zum Lauf des Glaubens. Hier geht es nicht darum einander zu besiegen. Hier geht es darum durchzuhalten. Ausdauer, Geduld zu bewahren. Am Glauben festzuhalten trotz manchem Schweren. Auf was wir unser Vertrauen setzen, darauf schauen wir. Wem wir vertrauen, an den wenden wir uns, an den halten wir uns. Der Glaubende schaut auf Jesus. Von ihm heißt es, dass er sehr viel Schweres ausgehalten hat, weil ihn eine überdimensionale Freude erwartete am Ende des Glaubenslaufes. Das Schauen auf Jesus; das Beschäftigen mit ihm; Hören und Lesen von ihm - kann auch in uns Vertrauen zu ihm entstehen lassen. Diesen Glauben, dieses Vertrauen kann und will Jesus in uns hervorbringen. Der Glaubensläufer hat kein totes Ziel vor sich, sondern die Person Jesus. Schauen wir auf ihn, so wird er uns wie zu einem persönlichen Trainer. Er macht uns Mut, weil er den Glaubenslauf vollendet hat. Er begleitet uns aber auch im Lebens- und Glaubensalltag. Steht uns zur Seite bei Durststrecken, wo unsere Seele schlapp machen will.

Er wird uns auch einige wunderbare 'Verpflegungsstationen' auf der Strecke organisieren. Und wenn wir auf ihn schauen, werden wir das Ziel des Glaubenslaufes - die Ewigkeit bei Gott - nicht aus den Augen verlieren.

Gutes Durchhaltevermögen wünscht Karsten Hellwig, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Falkenstein

Karsten Hellwig
Falkensteiner Anzeiger, 25.04.2002