Gott wird abwischen alle Tränen

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein.

Offenbarung 21,4

Das Ende des Kirchenjahres ist wieder in Sicht. Der Monatsspruch für November macht dies gewiss deutlich. Der November als Monat hat meist etwas Schwermütiges an sich. Nicht umsonst wird wohl auch Ewigkeitssonntag in diesem Monat begangen. Totensonntag, sagen die Leute im Volksmund. Doch nicht der Gang zum Friedhof als ein resignierendes Handeln angesichts des Todes ist angesagt. Christlicher Glaube sieht über den Rand des Todes hinaus. Christlicher Glaube lebt von der Hoffnung. Solche Hoffnung wird eben gerade durch diesen Monatsspruch vermittelt.

Ja, es gibt Tränen. Wer wollte das leugnen. Auch Christen werden davon nicht verschont, durch ihre Tränen das eigene Leid anzeigen zu müssen. Auch Christen werden in die Trauer um liebe Menschen hineingenommen. Es wäre unnatürlich und eine bedenkliche Verdrängung, wollte man so tun, als würde durch den Glauben an Christus alles Leid nur eine Bagatelle.

Leid ist und bleibt immer notvoll und lässt nach Gott und seiner Gerechtigkeit schreien. Nur gut, wenn dann nach Gott geschrieen wird.

Denn gerade dieser Gott fängt unser Leid auf. Dieser Gott lässt uns in Christus wissen, dass seine Liebe uns nach wie vor gilt. Und dieser Gott wird uns in seiner Gemeinschaft alles Leid vergessen lassen, so wie ein Kind den Schmerz vergisst, wo eine Mutter liebevoll die Tränen trocknet. Die größte Zusage besteht freilich darin, dass diese Gemeinschaft mit Gott kein Ende findet, sondern die ständige Angst vor dem Tod, also dem Zerbruch aller Beziehungen, aufgehoben ist. In diese Hoffnung will uns der Monatsspruch hineinnehmen. Ein Stück weit können wir diese Hoffnung jetzt schon Wirklichkeit werden lassen, wo wir nämlich anderen Menschen, die Leid tragen tröstend zur Seite stehen und wo wir Beziehungen zu anderen nicht aufgeben, sondern die Einsamkeit aufbrechen.

Vielleicht fällt Ihnen gerade jetzt ein Mensch ein, der Ihr tröstendes Wort und Ihr Dasein braucht. Dann sollten Sie nicht zögern, es zu tun. Denn damit schenken Sie Hoffnung und machen den Monat November nicht trister als er ist.

In dieser Gewissheit

Ihr Volker Schädlich
Falkensteiner Anzeiger, 30.10.2002