Praktiker gesucht!

Seid aber Täter des Wortes und nicht Hörer allein.

Jakobus 1,22

Erfahren wir uns nicht immer wieder als Menschen, die doch nicht tun, was sie als gut und richtig erkannt haben? Als Menschen, die doch nicht nach ihrem Glauben; ihrer Überzeugung handeln? Ist nicht jeder Mensch hin- und hergerissen zwischen dem, was er als auf Dauer für sinnvoll und hilfreich sieht und dem, was ihn gerade jetzt bewegt und lockt? Täter sind gesucht - und dabei ist kein blinder Aktivismus gemeint. Täter des Wortes sind gesucht. Es ist das Wort Gottes gemeint. Und Gott steht 100-prozentig hinter seinem Wort. Auf das, was er sagt, können wir uns verlassen. Darum wild Jesus an anderer Stelle als das 'Wort Gottes' angekündigt. 'Täter des Wortes' sind also Menschen, die sich von Jesus bewegen lassen. Wir sollen nicht nur passive Zuschauer-Hörer sein, sondern mit dem Herzen hören. Nicht ein Hörer, der stumm dasitzt und sich berieseln lässt, sondern ein Hörer, der 'mitgeht', sich interessiert und sich begeistern lässt.

"Wissen Sie, Herr Pastor, mit dem Kirchelaufen habe ich es nicht so sehr. Aber deswegen bin ich trotzdem ein guter Christ. Denn ich lebe das Christentum." - das ist ein Irrtum, ein falsches Entweder-Oder! Hier geht es nicht darum Hörer oder Täter zu sein, sondern Hörer und Täter. Es geht um die Übereinstimmung zwischen Hören bzw. Reden und Tun. Ist das, was wir glauben an unserem Tun zu erkennen? Wirkt sich der Glaube, der Gottesdienst, das Hören auf die Gestaltung unseres Lebens aus? Das mögen wir vielleicht alles als richtig befinden und fragen trotzdem: Wer hilft mir in der Praxis des Glaubens? Da gibt es nur einen Rat: anfangen. Ganz praktisch kann das so aussehen:

Mein Zorn soll nicht siegen. Deshalb gehe ich nicht mit Zorn ins Bett, sondern bitte Gott, mir den Zorn aus dem Herzen zu nehmen.

Meine gierigen Gedanken sollen nicht siegen. Ich werfe die Zeitschriften in den Müll, die mir meine Fantasie 'verdrecken'.

Meine Zunge lasse ich nicht laufen. Wie schnell habe ich Halbwahres unter die Menschen gebracht - und sie verletzt. Seinen großen Mund halten zu können, ist eine echte Heldentat. Wer auf Jesus hört, kann sie durch ihn vollbringen. Da sage mir einer, der Glaube sei nicht total praktisch! Lebens- und Glaubenspraxis erlangen wir nur durchs Praktizieren. Fangen wir an, wenn nicht jetzt, wann dann? Der Schweizer Pädagoge J.H. Pestalozzi hat es zugespitzt so gesagt: "Taten lehren den Menschen und Taten trösten ihn - fort mit den Worten." Wer sich weigert umzusetzen, was Gott durch sein Wort in ihn hineingegeben hat, der bringt sich um die besten Erfahrungen eines Praktikers.

Karsten Hellwig, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 26.06.2003