Von freundlichen Gastgebern

Vor drei Wochen waren zu viert aus unserer Gemeinde auf einem Kongreß in Stuttgart. Im Herbst vergangenen Jahres hatte uns jemand, den ich bis dahin überhaupt noch nicht kannte, angeboten während des Kongresses die drei Tage bei ihnen zu übernachten. Wir wussten im Grunde überhaupt nicht, worauf wir uns einließen. Und dann wurden wir so überrascht von einer Gastfreundschaft, über die wir uns ganz sehr gefreut haben. Und das im Schwabenländle! Daran musste ich denken, als ich den Spruch für den Monat April gelesen hatte:

Gastfrei zu sein, vergesst nicht, denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

Hebräer 13, 2

Sind Sie gastfrei? Sind Sie bekannt dafür, dass Leute gern zu Ihnen kommen?

Als Pfarrer komme ich in die unterschiedlichsten Häuser und Wohnungen. Bei manchen hab ich den Eindruck, wenn ich zumindest unangemeldet komme, dass es ihnen gar nicht so recht ist, weil es nach ihrer Meinung nicht aufgeräumt genug aussieht. Bei wieder anderen muss ich aufpassen, wohin ich mich stelle, dass ich ja keinen Dreck mache. Aber bei vielen anderen stelle ich eine herzliche und natürliche Gastfreundschaft fest. Der Schreiber des Hebräerbriefes erinnert uns daran "Gastfrei zu sein, vergesst nicht!" Scheinbar ist das Gastfrei-sein etwas, was wir schnell vergessen. So etwa wie das Dankbar-sein. Auch daran muss uns ja Gott in seinem Wort erinnern: "Und vergiß nicht, was ER dir Gutes getan hat!"

Im Orient war man auf Gastfreundschaft angewiesen. Wenn man längere Strecken zurücklegen mußte, vielleicht über mehrere Tage, war es normal, dass man in jedem beliebigen Haus um ein Nachtquartier bitten konnte. Und für den Gastgeber war es eine Ehre, seinen Gast bestmöglichst zu bewirten.

In der Apostelgeschichte, wo uns die Entstehung der Gemeinde Jesu geschildert wird, können wir deshalb lesen (Apg) "Täglich kamen sie (die erste Christengemeinde) im Tempel zusammen und feierten in den Häusern das Abendmahl. In großer Freude und mit aufrichtigem Herzen trafen sie sich zu gemeinsamen Mahlzeiten." Unsere Wohnungen oder auch Häuser sind nicht nur unser Privatbesitz, wo wir uns neben dem Streß des Alltags zurückziehen können, sondern gute Möglichkeiten, Gemeinde zu leben. Laden Sie sich gegenseitig ein. Erzählen Sie sich gegenseitig von Ihrem Leben im Glauben, wie das bei Ihnen praktisch aussieht. Und beten Sie füreinander. Und wenn Sie darüber hinaus Menschen einladen zu einem Kaffeetrinken oder zu einem Grillabend, denen Sie etwas von der Liebe Jesu weitergeben möchten, die bis dahin noch nicht viel vom Glauben wissen, dann tun Sie etwas, was in den Augen Gottes viel wert ist. Dann tun wir etwas, was wir eben leicht vergessen, was aber Gott wichtig ist.

Ein ganz anderer Gedanke ist, ob wir auch als Gemeinde gastfrei sind. Wenn das Wort Gottes das für den Einzelnen will, dann erst recht für den gesamten Gemeindealltag, für unsere Gottesdienste und Veranstaltungen.

Überlegt an dieser Stelle, wie wir dieser Aufforderung Gottes nachkommen können. Gott wird uns aus seiner Fülle reich beschenken.

Ihr Pfarrer Volkmar Körner
Falkensteiner Anzeiger, 24.03.2007