Einfach Gottes Segen

Den Monatsspruch für November entnehmen wir dem 1. Brief des Apostels Paulus an die Thessalonicher im 5. Kapitel, Vers 23. Dort heißt es in meiner Lutherübersetzung:

Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch, und euer Geist ganz samt Seele und Leib müsse bewahrt werden unversehrt, unsträflich auf die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus.

1. Thessalonicher 5,23

Oft passiert es, dass mir ganz liebe und wohlmeinende Menschen zum Geburtstag fast immer mit identischen Worten gratulieren: "Ich wünsche Ihnen (oder Dir) alles erdenklich Gute, vor allem Gesundheit, ja, das ist das Wichtigste, vor allem Gesundheit..." Je nach Redegewandtheit des Gratulierenden fügt sich dann meist noch ein mehr oder weniger langer Schwanz guter Wünsche an.

Als einmal so eine etwas überschwänglich geratene Gratulationsformel gar nicht aufhören wollte und der Gratulant beim Finden immer weiterer Glückwünsche allmählich ins Stocken geriet, platzte es plötzlich aus mir heraus und ich sagte: "Ach, wünschen Sie mir doch einfach 'Gottes Segen', da ist alles drin."

Im ersten Moment war ich über mich selbst erschrocken, aber zum Glück nahm mir dieser Gratulant meinen Einwurf kein bisschen übel, sondern er pflichtete mir freundlich bei. Wäre der Apostel Paulus daneben gestanden, so hätte auch der mit Sicherheit wohlwollen zugestimmt. Denn bei ihm steht der Leib und seine Gesundheit nicht exklusiv an erster Stelle.

Wenn Paulus den Menschen beschreibt, so nennt er ihn, wie oben zu lesen, eine Einheit von Geist, Seele und Leib. Und für Paulus, als einen Jünger Jeus ist die Reihenfolge sowieso eine andere, als für viele Menschen, die sich damals, wie heute nur um Körper und Wohlstand kümmern und dabei oft Geist und Seele verkümmern lassen.

Paulus weiß nämlich, dass Geist und Seele die ganz besonderen Begabungen des Menschen sind, die ihn erst zum Menschen machen. Sie verleihen ihm die Fähigkeit, zu seiner Mitwelt, zu anderen Menschen, ja sogar mit Gott in Kontakt zu treten. Deswegen müssen Christen noch lange nicht leibfeindlich sein, denn wie gesagt, der Mensch ist als eine Einheit von Leib, Geist und Seele zu verstehen.

Daher ruft uns Paulus auf, alle drei Seiten unseres Menschseins ernst zu nehmen, sie zu fördern, zu bewahren und vor Gefahren zu schützen. Genau in diesem Sinne wünsche ich Ihnen für die Kommende Zeit "Gottes reichen Segen"., in dem alles Notwendige für Sie enthalten ist.

Pfarrer Konrad Köst
Falkensteiner Anzeiger, 27.10.2005