Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht

Gott spricht:

Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht.

Josua 1,5 (Jahreslosung für 2006)

Manchmal fühlt man sich 'Mutter-Seelen-allein'. Und mancher musste vielleicht schon die Erfahrung mit seinem Gegenüber machen: Wenn man sich auf den verlässt, ist man verlassen. Josua, zu dem Gott hier spricht, hatte seinen Ziehvater Mose verloren und stand nun allein als Führer des Volkes Israel da. Das noch fremde Land sollte beschritten werden. Erste Schritte. Über die ersten Schritte eines kleinen Kindes freuen sich Vater und Mutter. Und es ist selbstverständlich, dass sie ihm beschützend und tröstend zur Seite stehen. So werden wir alle Schritt für Schritt während unseres Lebens in die Eigenständigkeit entlassen. Wer sich davor drückt und versteckt wird schwer erwachsen. Erwachsen werden heißt aber nicht, dass wir nicht mehr auf Hilfe angewiesen wären. Wie Josua brauchen wir einen Rückhalt; eine letzte Bastion der Zuflucht; ein Grundvertrauen zum Leben. Wie treten wir den Aufgaben - neuen und alten -im neuen Jahr entgegen? Welche Hilfen bieten sich an? Aufmunterungsversuche wie: "Du bist Deutschland!" stehen in dem Verdacht gönnerhaft und von oben gesprochen zu sein. Zumal die, die an der schwierigen Situation wirklich etwas verändern könnten, oftmals nichts dergleichen tun. Sind wir also doch wieder auf uns selber angewiesen? In gewisser Weise ja. Wir können unser Leben nur selber leben. Auch Josua damals konnte die Hände nicht in den Schoß legen und musste das Volk wirklich führen und Verantwortung übernehmen. Und natürlich gibt es auch Hilfen. Z.B. Planungshilfen und viele nicht nur gut gemeinte, sondern wirklich hilfreiche Ratschläge und Ideen. Aber wieviel besser, wieviel beruhigender und ermutigender ist es, wenn wir uns von Herzen auf die Zusage des lebendigen Gottes verlassen können: "Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht." Und diese Zusage ist nicht überheblicher Art, denn Gott hat sich um unseret-willen in die tiefste Verlassenheit begeben. Sein Sohn Jesus musste am Ende rufen: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Er war Sozusagen 'Vater-Seelen-allein'. Die Jahreslosung fordert uns auf einem Gott, der solche Erfahrungen gemacht hat, zu vertrauen wenn er sagt: "Ich lasse dich nicht fallen."

Ein gesegnetes neues Jahr und viele gute Erfahrungen wünscht Ihnen Karsten Hellwig, Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft.

Karsten Hellwig
Falkensteiner Anzeiger, 22.12.2005