Ob der Kahn singt oder sinkt? - Gedanken zum Monatsspruch anlässlich der Fussball-WM

Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und laßt euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen!

Galater 5,1 (Einheitsübersetzung)

Liebe Leserinnen und Leser, was passiert, wenn Deutschland nicht Fußballweltmeister wird? Nichts! Natürlich, es wird dann jeder wissen, woran es gelegen hat; es wird kräftig lamentiert und genörgelt werden. Vielleicht wird man auch einen neuen Trainer suchen, aber es wird nichts wichtiges passieren. Denn Fußball ist und bleibt eine Nebensache, wenn auch eine schöne.

Am 9. Juni beginnt die Fußballweltmeisterschaft. Manche blicken mit Horror auf diese Zeit, weil sie die Hoheit über die Fernbedienung des Fernsehers für einen gewissen Zeitraum an ihren Gatten abtreten müssen oder weil es auf Arbeit dann nur noch ein Thema geben wird. Für andere ist es ein Fest, manche nehmen sogar Urlaub dafür. Fußball, für manche ein Gott, für andere eine der schlimmsten Sünden - beides ist mit Sicherheit falsch. Vielmehr geht es um einen gelassenen Umgang mit einer (für manche schönen) Nebensache. Und gerade wir Christen haben dazu guten Grund. Christliche Freiheit besteht darin, die Güter und Freuden der Welt dankbar anzunehmen und zu genießen, sich aber nicht von ihnen abhängig zu machen. Der Grund für diese Freiheit ist die Bindung an unseren Herrn Jesus Christus. Wir wissen, Fußball ist nicht das Leben, ebenso wenig wie gutes Essen, teure Autos oder die steile Karriere schon das Leben sind. Darum vermögen wir beides, jubeln oder trauern, wenn Deutschland verliert; abschalten oder zuschauen, wenn im Fernsehen ein Fußballspiel zu sehen ist. So oder so, das Entscheidende ist, wir sind auf den Höhen und in den Tiefen unseres Lebens getragen von Jesus Christus.

Das ist Freiheit: Getragen sein in Freud und Leid, angenommen sein mit allen Schwächen, niemandem nach den Mund reden zu müssen. Und weil wir diese Freiheit haben, kann der Fußball sich wichtig tun, aber er bleibt doch eine Nebensache. Gerade dann kann er schön sein. Er ist es nicht wert, sich zu betrinken, wenn meine Mannschaft verliert; er ist es nicht wert, meine Trauer in Aggression zu verwandeln; er ist es nicht wert, zum Festspiel von Randalierern zu werden. Tor oder nicht: was tut's? Sei es, dass Deutschland, Brasilien oder Trinidad/Tobago am Ende auf dem Treppchen steht: die Welt geht damit nicht unter (oder auf).

Zur Freiheit hat uns Christus befreit: warum sollten wir uns also nicht auch am Fußballspielen freuen? Wer dies mit anderen gemeinsam tun möchte, kann in der WM-Zeit im Falkensteiner Aufbauwerk vorbeischauen, dort werden ausgewählte Spiele auf Großleinwand übertragen. Veranstaltet wird dieses Projekt unter dem Titel Kickoff: Anstoss für den Glauben von verschiedenen christlichen Gemeinden Falkensteins. Wir wollen damit zugleich aber auch deutlich machen: Fußball ist eine (schöne) Nebensache, das Leben aber haben wir durch Jesus Christus, unseren Herrn.

Mit den besten Segenswünschen grüßt Sie Ihr Pfarrer Dr. Thomas Knittel
Falkensteiner Anzeiger, 24.05.2006