Nicht abgewiesen

Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannes 6,37

Viele von uns haben schon Erfahrungen gemacht, bei denen sie mit Abweisungen zu tun hatten. Manche Jugendliche haben schon mehr als 30 vergebliche Versuche unternommen, eine Lehrstelle zu bekommen. Viele Arbeitssuchende sitzen nach unzähligen Versuchen frustriert zu Hause oder auf den Arbeitsämtern herum, weil sie einfach keine Arbeit bekommen. Dem einen sagt man: Du darfst hier nicht hinein (z.B. ins Kino), weil du noch nicht 18 fahre bist, dem ändern sagt man an der Grenze das Gleiche, nur weil er keinen oder des falschen Pass hat. Für die einen genügt als Grund der Abweisung bereits eine andere Hautfarbe, für andere reicht bereits fehlende Sympathie. So teilen wir uns heut oftmals die Welt ein. Wir grenzen aus und weisen ab, wie es uns eben so passt. Dies ist allgemein üblich geworden und selbst wenn wir noch niemanden wirklich abgewiesen haben, in Gedanken sind wir alle nicht ganz frei von solchen Ausgrenzungen, aus welchen Gründen auch immer. Oft steht dahinter die Angst um Besitzstände oder die Angst vor Konkurrenz, die Angst vor dem Fremden allgemein, vor seiner Erscheinung, seinem Denken, seiner Kultur und Religion, seiner Arbeitskraft usw.. Dabei fallen uns auch immer eine Menge Gründe ein, die uns bei der Ausgrenzung helfen oder wir stellen Bedingungen, die von anderen kaum zu erfüllen sind, die jedoch von uns aus als logisch erscheinen. Diesem Zeitgeist gegenüber steht nun das Wort Jesu ganz schön quer im Wege und selbst manchen Christen passt es nicht und sie überlesen es einfach. Wie aber kann Jesus zu solch einer anderen Auffassung kommen? Was ist der Grund, warum er einfach ohne jede Vorbedingung und ohne jeden Vorbehalt sagen kann: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen? Es lohnt sich, dazu unbedingt einmal die Texte um diesen Bibelvers herum anzuschauen. Dort erfahren wir, dass Jesus davon ausgeht, dass nicht er die Menschen sucht und findet, sondern dass sie ihm von Gott, seinem Vater regelrecht zugeführt werden, oder wie die Bibel auch sagt, dass der Vater sie zu ihm hinzieht. Jesus wählt deshalb selber gar nicht aus, weil er sagt, die da zu mir kommen, sind mir vom Vater zugeführt, d.h. für ihn in besonderer Weise anvertraut. Er sieht die Menschen, die zu ihm kommen als ein Geschenk des Himmels. Jesus kann hinter jedem Menschen den Willen seines Vaters sehen. Wir Christen sagen ja auch manchmal zueinander: Du bist kein Produkt des Zufalls, sondern von Gottgewollt. Nun müssen wir diese Erkenntnis nur noch auf alle Menschen übertragen und schon bekommt die Welt und ihre Bewohner ein neues, freundlicheres Gesicht. In den nächsten Wochen werden viele von uns in Urlaub fahren, die meisten in eine andere Region, viele auch ins Ausland. Versuchen Sie einmal nicht zu denken:

Wir haben ja teuer dafür gezahlt, also her damit, sondern versuchen sie alles als ein Geschenk zu verstehen. Seien Sie gespannt darauf, was ihnen im Urlaub alles an Land und Leuten geschenkt wird und nehmen sie es dankbar an.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen allen Ihr Pfarrer Konrad Köst
Falkensteiner Anzeiger, 29.06.2006