Geistlicher und leiblicher Segen

Du sorgest für das Land und tränkst es; du überschüttest es mit Reichtum.

Psalm 65,10a

Wo immer Christen dieses Wort lesen, denken sie sofort an das Erntedankfest. Eigentlich ist es ein Fest, das aus den normalen Rahmen des Kirchenjahres herausfällt. Es hebt sich ab von den heilsgeschichtlichen Ereignissen wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Und doch wird Erntedank mit Recht in den Gottesdiensten gefeiert. Kommt doch gerade hier die Tatsache zum Tragen, dass der Mensch nicht nur Nahrung für die Seele braucht, sondern auch für den Leib. Umgekehrt gilt das freilich erst recht. Wer nur auf Nahrung für den Leib aus ist, wird in seiner Seele schnell verkümmern. Aber zurück zum Erntedankfest. Der ursprüngliche Hintergrund, nämlich der Abschluss der Erntearbeiten, ist uns längst verloren gegangen. Die wenigsten unter uns wissen noch etwas von der Mühsal der Ernte und der Dankbarkeit darüber, dass es wieder genügend Nahrung für ein Jahr gab. Es mag andere Gebiete auf unserer Erde geben, wo das noch erlebt wird. Und dennoch, irgendwie hat jeder ein Gespür dafür, auch wenn es manchmal verdrängt wird, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, wenn wir genügend zu essen und zu trinken haben. Es genügt ja nicht, dass die Supermärkte überquellen von den Angeboten, es muss schlieülich auch die materielle Basis da sein. Ich denke, dass dies auch zum Erntedankfest gehört, dass wir nicht nur um den Reichtum dieser Erde wissen (der übrigens für alle Menschen ausreichend wäre), sondern dass wir auch die Möglichkeit hatten, daran teilzuhaben. Dafür sollten wir unserem Gott dankbar sein. Unser Monatsspruch ist übrigens einem Psalm entnommen, der die Überschrift trägt "Danklied für geistlichen und leiblichen Segen". Ich denke, beides gehört zusammen. Und darum feiern Christen eben auch das Erntedankfest. Sie wissen, dass sie auch die Möglichkeiten für das irdische Leben in all seinen vielfältigen Fassetten ihrem Gott verdanken. Es ist weiü Gott keine Selbstverständlichkeit, dass wir am Reichtum dieser Welt Anteil haben. Denken Sie einmal darüber nach.

Pastor Volker Schädlich, Evangelisch-methodistische Kirche
Falkensteiner Anzeiger, 28.09.2006