Quellen des Heils

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude aus den Quellen des Heils.

Jesaja 12,3

In meiner Kindheit war es, die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg. Die Sperrmauer, der Talsperre Muldenberg, war beschädigt und die Wasserversorgung vielerorts beein­trächtigt. Sehr oft öffneten wir den Wasserhahn, und das kostbare Nass kam nicht. Dann stellte sich noch ein heißer, trockener Sommer ein. Was­ser! - das war das große Problem. Wir wohnten damals bei einem al­ten Bauern. Er zeigte auf eine Wiese und sagte: "Dort muss irgendwo ein Brunnen sein." Nicht zugeschüttet, aber von Erde und Rasen bedeckt. Nach längerem Suchen, Graben und Probieren, wurde tatsächlich der Brunnen entdeckt und die Öffnung freigelegt. Wasser! - Was bedeutete es schon, dass wir eine kleine Weg­strecke laufen mussten, bis zum Brunnen! Niemand klagte, dass wir das Wasser selbst schöpfen mussten. Mit Freuden haben wir es getan und in Eimern zur Wohnung gebracht. Wir hatten Wasser!

In unserem Monatsspruch geht es auch um Freude, Wasser und Was­serschöpfen. Es ist eine bildhafte Rede. Es wird auch von „Quellen des Heils" gesprochen. Ja, wir Menschen haben nicht nur Durst nach den vie­len Getränken, die uns heute ange­boten werden. Wir haben auch Durst nach Leben, nach erfülltem Leben. Da sagt uns der Monatsspruch: Es gibt diese Quellen, an denen der Lebensdurst gestillt wird. Quellen des Heils werden sie genannt, weil wir an ihnen all das Gute finden, was Gott den Menschen zufließen lässt. Diese Quellen sind so nahe, dass je­der sie erreichen kann. Es ist Jesus Christus, sein Wort und seine Erlö­sung. Singen wir doch gerade in diesen Tagen: "Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude!" In der letz­ten Strophe dieses Liedes heißt es dann so schön: "Jesus ist kommen, die Quelle der Gnaden. Komme, wen dürstet, und trinke wer will..." Hin­ter dieser Aussage des Liederdich­ters J. L. K. Allendorf steht die Ein­ladung Jesu ganz persönlich: "Wen dürstet, der komme! Wer da will, nehme das Wasser des Lebens um­sonst."

Die Bibel berichtet von einem län­geren Gespräch Jesu mit einer Frau. An einem Brunnen sind sie sich be­gegnet. Die Frau hatte ein turbulen­tes Leben hinter sich. Fünf mal ge­schieden, und jetzt lebte sie einfach mit einem Mann zusammen. Aber all das hat ihren Lebensdurst nicht gestillt. Weil die Frau gerade beim Wasserholen war, knüpft Jesus an dieser Stelle an und spricht: Wer von diesem Brunnenwasser trinkt, den wird wieder dürsten, wer aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten. Schon nach dieser kurzen Erklärung ruft die Frau aus:

"Herr gib mir solches Wasser!" Na­türlich, da waren noch viele Fragen offen, aber sie hat erst einmal „ge­schöpft aus der Quelle des Heils." Sie hat Jesu Angebot im Glauben angenommen. Sie hat Vergebung erlebt. Das hat Freude und eine po­sitive Veränderung in ihr Leben ge­bracht. Vielen hat sie davon erzählt.

So oder ähnlich haben das auch viele in unserer Stadt erlebt. Davon möchten wir gerne weitersagen in unseren Gottesdiensten und Ge­meindestunden. Der bekannte christliche Liedermacher Manfred Siebald, der ja auch schon in unse­rer Stadtkirche gesungen hat, drückt es in einem seiner Lieder sehr deut­lich aus: "Wer das Wasser in der Wüste kennt und es verschweigt, der ist schuld, wenn Sterbende es übersehn." Nein, das soll und darf nicht geschehen! Darum bekennen wir im Blick auf den, dessen Geburt wir zu Weihnachten feiern: "Alle meine Quellen sind in dir."

Werner Oberlein
Falkensteiner Anzeiger, 30.11.2006