Was wird aus meiner Seele?

Jesus Christus spricht: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Matthäus 16,26

Unser Jahrhundert erlebt faszinierende Dinge. Wir fliegen hinaus ins All, um dem Kosmos seine Geheimnisse zu entlocken. Wir haben die Welt durch das Fernsehen in unsere Häuser geholt und erleben zeitgleich, was sich in anderen Ländern ereignet. Wir setzen uns in einen Airbus und landen in kürzester Zeit in anderen Erdteilen. Wir kommunizieren über das Internet in Sekundenschnelle mit jedem Fleck der Welt. Wir versuchen in der modernen Medizin, dem Tod Gelände abzugewinnen..... Wir könnten nun uferlos fortfahren, wie faszinierend und großartig das Jahrhundert ist, in dem wir leben.

Wir Christen sehen dabei nicht griesgrämig und misstrauisch dem modernen Fortschritt zu, sondern stehen mitten in der Welt und versuchen, an der Erfüllung der Schöpfungsauftrags mitzuarbeiten, den Gott den Menschen gegeben hat: "Macht euch die Erde Untertan und herrscht über sie". Aber wir sehen auch sehr wohl, dass unser ganzer Fortschritt eine Kehrseite hat: Die Welt ist damit nicht menschlicher geworden. Mitmenschlichkeit und Hilfsbereitschaft sind einem immer stärker spürbarem Individualismus gewichen. Egoismus, Karrieredenken und Profitstreben prägt die meisten Menschen. Anständigkeit und Ehrlichkeit sind für viele gleichgültig. Wir erleben Gewissenlosigkeit und Kriminalität im großen Stil: in der Wirtschaft, im Sport und sogar in den politischen Leitungsgremien. Viele Menschen haben heute die Achtung vor dem Leben des Anderen verloren. Das bestätigen die zahlreichen Raubüberfälle, Kindesmisshandlungen und Gewaltverbrechen, von denen auch unser Vogtland in keiner Weise verschont ist.

Wie kommt das alles? Das hängt entscheidend damit zusammen, dass die Achtung und Ehrfurcht vor Gott den Bach hinuntergegangen ist! Der moderne Mensch fühlt sich nicht mehr gegenüber Gottes Geboten verpflichtet, er will überhaupt keine Autorität mehr über sich anerkennen und sich nicht in sein Leben hineinreden lassen. Fazit: Der Mensch unserer Tage hat durch den modernen Fortschritt zwar viel gewonnen, aber er hat noch viel mehr verloren: er hat Gott verloren!

Eine vergleichbare Situation gab es sicher auch in früheren Zeiten, aber in unserem Jahrhundert ist sie besonders gravierend. Jesus hat damals schon davon gesprochen, dass es dem Menschen wenig hilft, wenn er die ganze Welt gewinnen könnte, wenn er dabei Schaden an seiner Seele nimmt. Und viele Menschen, die sich heute geschickt in Szene zu setzen und selbst darzustellen wissen, haben, wenn man sie genauer betrachtet, eine kranke Seele! Sie merken wohl auch selbst, dass ihnen etwas fehlt, aber erkennen nicht mehr, was es ist. Eine kranke Seele ist ruhelos, denn eine Seele ohne Gott ist eine verlorene Seele! Und eine verlorene Seele findet auch nach dem Tod nicht den ewigen Frieden.

Aus unserem Monatsspruch können wir hierzu zwei Erkenntnisse gewinnen:

1. Diesem allgemeinen Trend brauchen wir - Du und ich - uns ja nicht anzuschließen! Wir können unserem Leben und Streben vernünftige Ziele setzen und dabei alle Errungenschaften des Fortschritts nutzen. Entscheidend ist das Eine: dass wir bei Gott und unter Gott bleiben! Der Respekt vor Gottes Wort setzt dabei unserem ethischen Handeln Grenzen. Aber uns sollte immer im Leben die Frage wichtig sein: "Was wird aus meiner Seele?" Im Segen Gottes Leben ist mehr wert, als manches ehrgeizige Ziel mit unredlichen Mitteln zu erreichen.

2. Kranke Seelen können wieder heil werden, wenn wir wieder Gott suchen und unsere Beziehung mit ihm in Ordnung kommt. So könnte dem Einzelnen und auch unserer Welt geholfen werden.

Es grüßt ganz herzlich Ihr Pfarrer Gneuß
Falkensteiner Anzeiger, 30.08.2007