Glaubt nur, dass ihr’s empfangt

Jesus Christus spricht:
Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden.

Markus 11,24

Jesus, meinst du das ernst? Soll das wahr sein? “Alles, was ihr bittet in eurem Gebet...” Ich habe so viel auf dem Herzen. Darf ich dir das alles sagen? Ich kenne zwei junge Leute. Sie reden nicht mehr miteinander. Vorwürfe, Streit, laute Worte, Schweigen. Jesus, rühre ihre Herzen an! Lass sie wieder Worte finden, nach einem gemeinsamen Weg suchen, beieinander bleiben, dass ihr Kind nicht weinen muss, weil Papa nicht mehr heimkommt.

Im Sommer wollten wir uns treffen, alte Schulfreunde aus meinem Heimatdorf. Nun ist einer von ihnen schwer erkrankt. Bösartiger Tumor. Das Sprechen fällt ihm schwer. Der Hals schmerzt. Die Ärzte tun ihr Möglichstes. Jesus, tu das für uns Unmögliche! Ich will dich beim Wort nehmen: “...glaubt nur, dass ihr’s empfangt, ...”. Ich lege sein Geschick auf dein Herz. Ich flehe dich an: Nimm es dir zu Herzen! Wenn er nachts wach liegt, lass ihn seine Hand nach dir ausstrecken. Du hältst ihn bei deiner rechten Hand und lässt ihn nicht los. Wie immer es mit ihm weitergeht, geh du mit ihm weiter. Tag für Tag. Wie viele werden es noch sein? Ich bange um ihn. Ich hoffe für ihn. Ich bete für ihn. Ob wir uns im Sommer wiedersehen? Oder werde ich an seinem Grabe stehen? Jesus, du weißt alle Dinge. Du siehst die verängstigten Frauen in Darfur, die verwahrlosten Kinder in den Plattenbausiedlungen von Berlin, die verfolgten Christen in Nordkorea, die erlahmende Kraft mancher Gemeinden in unserem Land. Du willst, dass wir dich “in allen Nöten anrufen, beten loben und danken”. (Martin Luther) Manchmal bin ich voller Zuversicht, dann wieder ohne jede Hoffnung. Wenn ich für mich allein bete, schweifen meine Gedanken oft ab, und meine Worte gehen ins Leere. Du gibst mir Menschen zur Seite, die mit mir beten, in der Familie, in der Gemeinde. Das macht mich froh und dankbar. Ich bin mit vielen verbunden, die dich anrufen, in unserm Land, weltweit. Wir wollen dich beim Wort nehmen, aber dir das letzte Wort überlassen. Deine Gedanken sind nicht unsere Gedanken, deine Wege sind nicht unsere Wege. Du gibst mehr, als wir bitten und verstehen. Wir trauen deinem Versprechen: “... glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden.”

Auch wenn du uns nicht alle Wünsche erfüllst, wir gehen nicht leer aus. Uns werden die Hände gefüllt. Wir sind Empfangende, Beschenkte, zum Leben Ausgesuchte. Lass uns deine Versöhnung annehmen und uns miteinander versöhnen! Lass uns deine Hand festhalten, im Leben und im Sterben! Lass uns mit deiner Berge versetzenden Macht rechnen! Jesus, du meinst es ernst. Du machst es wahr. Ich glaube! Hilf meinem Unglauben! Amen

Pfarrer i.R. Ronald Sporn, Neustadt
Falkensteiner Anzeiger, 31.01.2008