Beten mit Geist und Verstand

Ich will beten mit dem Geist und will auch beten mit dem Verstand.

1. Korinther 14, 15

Der Pfarrer wundert sich: In seiner Gemeinde in Kenia betritt ein alter ärmlich gekleideter Mann jeden Mittag Punkt 12 die Kirche. Aber er bleibt nie lange in der Kirche. Eines Tages wartet der Pfarrer auf den Mann und fragt: „Was tust Du denn in der Kirche?“ Der Alte antwortet: „Ich gehe hinein, um zu beten.“ „Aber du bist doch niemals lange genug in der Kirche, um wirklich beten zu können!“, entgegnet der Pfarrer. Da erklärt ihm der alte Mann: „Ich kann kein langes Gebet sprechen, aber ich komme jeden Tag um 12 Uhr vorbei und sage: Jesus, hier ist Jim! Dann warte ich eine Minute, und er hört mich.“

Kurze Zeit später kommt der alte Jim in das Krankenhaus; sein Bein ist verletzt. Die Schwestern stellen fest, dass er einen heilsamen Einfluss auf die anderen Patienten hat. Die Nörgler werden zufrieden, die Ängstlichen gewinnen neue Hoffnung, die Traurigen werden fröhlich. Und es wird viel gelacht in Jims Zimmer. „Jim“, sagt die Stationsschwester, „die anderen Männer sagen, dass Du diese Veränderung herbeigeführt hast. Du bist immer glücklich.“

„Ja, Schwester, aber ich kann nichts dafür. Das kommt durch meinen Besucher.“ Die Stationsschwester hat bei Jim noch nie Besuch gesehen: Er hat weder Verwandte noch engere Freunde in der Nähe. „Dein Besucher?“, fragt die Schwester, „Wann kommt er denn?“ – „Jeden Tag mittags Punkt 12“, antwortet Jim. „Er kommt herein, steht am Fußende meines Bettes und sagt: Jim, hier ist Jesus.“

Gebet ist kein Selbstgespräch. Wir sind eingeladen zum Gespräch mit Jesus. Beten heißt mit Gott reden. Da geht es nicht um irgendwelche Formeln, da geht es um eine lebendige Beziehung, Wort und Antwort. Wir dürfen unser Herz ausschütten vor Gott. Er hört Gebet. Dazu braucht es nicht nur unser Mundwerk. Dazu braucht es Geist und Verstand. Es braucht den Geist, der Gott liebt; den Geist, der Gott als Gegenüber anerkennt; den Geist, der Gottes Handeln in meinem Leben sieht. Und es braucht Verstand; Verstand, der mein Leben in der Verantwortung vor Gott bedenkt, der Nöte und Sorgen vor Gott bringt; Verstand, der Dankbarkeit und Freude vor Gott ausspricht. So dürfen wir unsere Hände falten und Jesus bitten: „Herr, lehre uns beten.“


„Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung.
Sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
AMEN.“


Wie Kinder zu einem guten Vater, so dürfen wir zu Gott kommen. Davon leben Christen. Lassen wir uns in diesem Monat ganz neu ermuntern, die Hände zu falten: Gott wartet auf unser Gebet.

Ihr Pfr. z.A. Jörg Grundmann
Falkensteiner Anzeiger, 24.05.2008