In der Hand Gottes

Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

Psalm 139,5

Wir waren Kinder der Stadt. So war es immer ein Abenteuer, wenn unsere Eltern mit uns zu Verwandten aufs Dorf fuhren. Einmal durfte ich ein Küken in die Hand nehmen. Das war gar nicht so einfach. Einerseits sollte es nicht abhauen und andererseits wollte ich es nicht verletzen. Da war ein kleines, zartes, zappeliges Lebewesen in meinen Händen. „Jetzt hast du’s in der Hand.“ - sagen wir manchmal, wenn wir meinen, dass jemand die Verantwortung hat und in der Lage ist eine Angelegenheit zu meistern. Oder man begibt sich in die Hand des Arztes; man ist ihm ausgeliefert und davon abhängig dass er seine Arbeit gut macht. Das ist nicht unbedingt unsere Wunschvorstellung in der Hand eines anderen zu sein. Es sei denn wir vertrauen demjenigen wirklich ganz und gar. David, der Beter dieses Psalms, geht davon aus, dass er in Gottes Händen ist. Er hat die Erfahrung gemacht: „Gott kennt mich durch und durch.“ Er sieht sich dabei nicht nur als ein Baby, dass in den Armen der Mutter geschaukelt wird. Er hat dieses »in der Hand Gottes sein« durchaus als Herausforderung erlebt. Dieser Vers kann auch übersetzt werden: „Von vorne und hinten hältst du mich umschlossen und legst deine Hand auf mich.“ - das hört sich schon fast etwas bedrohlich an. Als bedrohlich hat es das kleine Küken in den Händen eines unbeholfenen Jungen wohl auch empfunden. Vor kurzem war ich auf einer Kanutour im Spreewald. Das Schleusen war ein besonderes Erlebnis. Eingeschlossen in beide Tore war man schon ein Stück ausgeliefert und eben eingeschlossen. Es war aber nötig um auf eine andere Ebene gebracht zu werden - auf der es dann gut weiterging.

Eingeschlossen in die Hände Gottes bleibt es ein Abenteuer. Vielleicht auch manchmal bedrohlich, aber Gott sorgt dafür, dass es gut weitergeht.

Karsten Hellwig,
Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 26.06.2008