Wo ist euer Glaube

Wo ist euer Glaube

Lukase 8,25

Diese Frage stellt Jesus seinen Jüngern. Er und die kleine Schar seiner Anhänger, Schüler, Nachfolger waren zusammen in einem Boot auf dem See Genezareth. „Und als sie fuhren, schlief Jesus ein. Und es kamein Wirbelwind über den See und die Wellen überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr.“ Die Jünger weckten ihn und riefen: „Meister, Meister, wir kommen um! Da stan der auf und bedrohte den Wind und die Wogen des Wassers und sie legten sich und es entstand eine Stille.“ In diese – durch die Macht seiner Worte entstandene Stille hinein fragt Jesus: Wo ist euer Glaube? Die Männer sind dem Tod entronnen. Sie sind geschockt von der Demonstration der Macht Jesus. Und sie fragen sich: Wer ist dieser? Und wir fragen mit ihnen: Ist das Überheblichkeit, wenn Jesus so reagiert? Völlige Unkenntnis menschlicher Empfindungen? Ist dieser Mensch ein weltfremder Alleskönner? Ein göttlicher Überflieger? Sind das nicht harte, herzlose Worte? Was steckt hinter dieser Frage? Die Frage verweist auf den Frager. Und wenn ich Jesus richtig verstehe, dann klingt in dieser Frage auch Verwunderung und Enttäuschung. Jesus hätte auch fragen können: „Warum vertraut ihr mir nicht?“ oder: „Denkt ihr wirklich, ihr wärt ein Spielball der Wellen?“ „Traut ihr Gott das zu, dass er sich nicht um euch kümmern würde, selbst wenn es zurzeit nicht so aussieht?“

Auf glatter See lässt sich schön vom Glauben reden. Auf glatter See strahlen wir vor Optimismus. Da ist alles machbar. Die Stürme des Lebens aber wühlen den Grund auf. Stürme des Lebens bringen zum Nachdenken. Bin ich Spielball der Wellen? Treibgut der Weltgeschichte? Ausgeliefert den Kräften dieser Welt? Abhängig von den Zyklen der Wirtschaft. Angewiesen auf das Wohlwollen von Beamten. Mein Wohlergehen verstrickt mit den Gefühlen anderer Menschen, meines Partners, meiner Partnerin und meiner eigenen Gefühle und Entscheidungen, die scheinbar irgendwie kommen und gehen wie sie wollen. Es sei denn ich mache mich stark, dann bin ich der Bestimmer, der Lenker, der Macher. Für manche endet das im Burnout. Für das wirkliche, wertvolle Leben ist der Mensch immer wieder angewiesen darauf etwas zu empfangen. Die Stürme des Lebens heißen Krankheit, Tod, Unglück, Arbeitslosigkeit, Spannungen, Streit. Sie kommen und gehen und manche gehen auch nicht mehr. Stürme des Lebens bringen zum Nachdenken. Dann ist es wichtig, dass wir uns der Frage dieses Mannes Jesus stellen: Warum vertraust du mir nicht? Wo ist DEIN Glaube?

Karsten Hellwig
Prediger der Landeskirchlichen Gemeinschaft Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 29.01.2009