Guter Mut

Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.

Prediger 3,13

Ich höre gern MDR-Figaro. Leider fast nur beim Autofahren. Vor kurzem veranstaltete die Moderatorin ein kleines Gewinnspiel. Sie unterhielt sich eben im Radio mit einem Mann und die Zuhörer sollten nur an der Stimme herausfinden wer der Mann ist. Eine Hörerin rief an und gab einen Tipp ab und lag damit richtig. Danach entspann sich ein kleines Gespräch zwischen der Moderatorin und der Anruferin. Die Frau versicherte der Moderatorin einige Male wie gut ihr der Sender gefällt. Man spürte ihre Freude beim Anrufen durchgekommen zu sein. Sie sagte: „Ich höre Ihren Sender im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, im Bad, in der Küche. Ich höre genau zu. Darum habe ich wahrscheinlich auch die Stimme erkannt. Und wir erkennen auch, wenn Mitarbeiter, die lange bei Ihnen waren auch auf anderen Sendern zu hören sind.“ Ich musste lächeln. Die Freude dieser Frau war ansteckend. Sie genoss das Leben. Man hatte nicht das Gefühl, dass sie einsam war und nun die Gelegenheit nutzte um endlich mal zu erzählen. Nein, sie wollte die Moderatorin an ihrer Freude teilhaben lassen und es war ihr ein Bedürfnis Danke zu sagen für das gute Programm. Wann erlebt man heutzutage so was noch, solche übersprudelnde Freude. Hier war es das Genießen der dritten Lebenshälfte – vielleicht zusammen mit ihrem Mann.

Wenn Menschen sich so freuen und genießen können – freut sich einer auf alle Fälle mit und das ist Gott. Im biblischen Buch, genannt Der Prediger, heißt es: „Ein Mensch, der da isst und trinkt und hat guten Mut bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ (Kapitel 3 Vers 13) Menschen mühen sich. Erschaffen, erarbeiten sich etwas. Und Gott sieht es gerne, wenn sie sich daran erfreuen können. Nicht immer ist das möglich. Manchmal geht auch etwas kaputt – klappt nicht so, wie wir es uns vorgestellt haben. Jemand wird krank. Die Arbeitsstelle geht verloren. Man muss vielleicht noch umziehen. Neue Umgebung. Keine Freunde. Und so ließe sich wahrscheinlich noch manches andere aufzählen an möglichen Hindernissen auf dem Weg zur Zufriedenheit.

Sich freuen, es sich gut gehen lassen, genießen können – das ist ein Geschenk. Vielleicht liegen die Hindernisse dafür manchmal eher in uns. Die Moderatorin hatte den Smalltalk mit der Anruferin selber eröffnet. Dann war aber zu merken, dass sie sich gar nicht so viel Zeit dafür nehmen wollte. Ist es das, dass wir uns vor lauter Planen, Schaffen, Sorgen keine Zeit nehmen zum wirklich genießen? Oder wollen wir manchmal alles auf einmal und immer mehr? Der ‚Prediger’ in der Bibel sagt es wäre eine Gabe Gottes es sich gut gehen zu lassen. Die Gelassenheit, die innere Ruhe, Fröhlichkeit und Frieden um sich an dem mit Mühe bereiteten auch freuen zu können. Darum, genießen Sie was Ihnen im Leben gelungen ist. Lassen Sie es sich schmecken.

Karsten Hellwig, Landeskirchliche Gemeinschaft Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 26.08.2010