Kehrt um!

Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe

Matthäus 3,2

Ein „Navi“ ist eine wunderbare Sache – vorausgesetzt, es funktioniert! Vor einiger Zeit war ich mit dem Auto im Ausland unterwegs. Die freundliche Frauenstimme neben mir sollte uns direkt Richtung Landeshauptstadt leiten. „Nach hundert Metern rechts abbiegen!“ – das war gut gesagt, aber besagte Straße war gesperrt, weil aufgegraben. Wie soll ein deutsches Navi auch wissen, wenn irgendwo im Ausland eine Straße kurzfristig gesperrt worden ist? Nach einigem Zögern leitete die unsichtbare Dame uns doch auf eine andere Strecke. Quer durch die Prärie, über Berg und Tal – aber nichts deutete darauf hin, dass wir uns irgendwie der Landeshauptstadt näherten. Irgendwann kam der Moment, den wohl jeder Autofahrer kennt, nämlich die Erkenntnis: „Du bist hier falsch!“ Anhalten! Was nun? Wir wollten doch zu einem Termin zurechtkommen! Nach einiger Zeit kam ein alter Lieferwagen angezottelt und hielt bei uns an. „Da sind sie aber völlig falsch“, sagte die Frau am Steuer. „Sie hätten in die entgegengesetzte Richtung fahren müssen!“ Jetzt hieß es, mit dem Passat auf enger Landstraße wenden, so gut es ging. Und dann zurück! Das Navi, das uns buchstäblich auf den falschen Weg verführt hatte, wurde abgeschaltet. Und nach den Angaben der hilfsbereiten Frau kamen wir dann doch noch pünktlich ans Ziel. Ja, wenn man sich verfranzt hat, dann hilft nur eins: umkehren! So ähnlich sagte das vor zweitausend Jahren auch schon Johannes der Täufer zu seinen Zeitgenossen, die zu ihm an den Jordan kamen. Da ging es zwar nicht ums Autofahren, sondern um die Lebenswege seiner Zuhörer. Denn die wichen oft ganz erheblich von den Geboten Gottes ab und gefielen Gott ganz und gar nicht mehr. Sie sollten ihr Leben wieder in Ordnung bringen, denn Gottes Advent stand bevor: der Sohn Gottes sollte bald zu ihnen auf die Erde kommen. Wer von uns verfranzt sich nicht auch manchmal im Leben? Dass wir auf Wege geraten, die man lieber nicht hätte gehen sollen; dass man sich in Sachen einlässt, bei denen man kein gutes Gewissen haben kann; dass man eines Tages zu der Erkenntnis gelangt: „Hier habe ich Mist gebaut!“ und: „Was soll Gott zu meinem Leben sagen, wenn ich jetzt vor ihn treten müsste?“ Da will uns unser Monatsspruch helfen, indem er sagt „Kehrt um! – Fangt neu an!“ Vor allem dann, wenn uns unser „inneres Navi“ weg von Gott geführt hat! Nicht das ist schlimm, wenn sich jemand im Leben verfranzt – sondern, wenn er seine Chance zum Umkehren nicht wahrnimmt, damit sein Leben – auch gegenüber Gott – wieder in Ordnung kommen könnte. Und das alles vor dem Hintergrund „Denn das Himmelreich ist nahe“! Für uns heute sind diese Worte ein Hinweis darauf, dass uns bald Gottes zweiter großer Advent bevorsteht: nämlich dass Jesus wiederkommen wird und wir dann alle vor ihn gestellt werden, um uns für unsere Wege und Taten zu verantworten. Er wird dann entweder unser Richter oder unser Retter sein. Wie gut, wer sein Leben vorher in Ordnung bringt, so lange dafür noch Zeit ist.

Euer Pfarrer i.R. Helfried Gneuß
Falkensteiner Anzeiger, 25.11.2010