Stille zu Gott

Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.

Psalm 62,6

Atemlos hetzen wir durch das Leben. Wie in einem Netz sind wir in Eile und Zeitnot gefangen. Das Treiben der modernen Welt wird immer fieberhafter und die Menschen immer gehetzter. Wir haben Angst, etwas zu verpassen, und jagen den Gelegenheiten hinterher. Die Gier nach Mehr und immer Neuem lässt uns nicht zur Ruhe kommen. Wie ein Fluch ist diese Eile, und ganz tief sinkt die Seele dabei. Und mit dem Zeiger der Uhr rotieren die Begriffe und Bilder, verflacht die Sprache, verlieren wir die Maße und Normen des Lebens. Da hören wir das Wort der Bibel: „Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung.“ Hier, beim lebendigen Gott, wird es still, hier kommt meine Seele zur Ruhe. Hier ist das Auge im Sturm, wo kein Lüftchen mehr geht. Wie ein großer See breitet sich die Stille vor mir aus, die ich bei Gott haben kann. Ich schaue in den See hinein und sehe zunächst mich selbst – ungeschönt. Meine Lieblosigkeiten und Gottlosigkeiten sind nicht zu übertünchen, ich muss mir selbst ins Gesicht sehen. Doch schaue ich länger hin, dann erkenne ich den Gekreuzigten. Er trägt meine Lieblosigkeiten und Gottlosigkeiten, wie er da am Stamm des Kreuzes hängt. Und ich erkenne die wunderbare Pracht in der Tiefe des Sees, die Majestät des lebendigen Gottes. So geht es mir, wenn ich in der Stille meine Bibel aufschlage: Ich bleibe nicht bei mir, ich werde zum Kreuz Jesu geführt und erahne den Reichtum der Herrlichkeit Gottes. Schlagen Sie doch auch einmal ihre Bibel auf in der Stille. Lesen Sie das Lukasevangelium oder die Psalmen. Vielleicht entdecken Sie, wie der lebendige Gott Ihre Hoffnung wird.

„Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht fallen werde.“ (Psalm 62,6-7)

Gott segne Sie! Ihr Pfarrer Jörg Grundmann
Falkensteiner Anzeiger, 24.02.2011