Lehrreiche Nachtwache

Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!

Matthäus 26,41

Verpatzte Nachtwache – enttäuschter Jesus. Alles wird schwierig. Die Zeichen stehen auf Niederlage. Jesus sieht gar nicht mehr wie ein zukünftiger König aus. Er ist tieftraurig und möchte seine Jünger in der Nähe haben. Er ist auf Hilfe angewiesen. Er ist ein Bittender. Ein Bedürftiger. Diese offensichtliche Notlage in der Jesus sich befindet ist seinen Jüngern zuviel. Sie reagieren wie kleine Kinder (oder wie verunsicherte Männer) und bemühen Durchhalteparolen: „Wir schaffen das schon. Das passiert uns nicht. Auf uns kannst Du Dich auf alle Fälle verlassen.“ – Dürfen wir schwach sein? Dürfen Christen schwach sein? JA und nochmals JA. Es ist sogar ihr großes Vorrecht, weil ihr Herr Jesus Christus klein, arm und verletzlich geworden ist. Und was hat Jesus gemacht nach diesem Tag, in dieser Nacht – der letzten Nacht seines Lebens? Er hat gebetet! Alles spitzte sich zu. Die Schlinge um seinen Hals zog sich zusammen. Einer seiner vertrauten Gefährten war endgültig zum Verräter geworden. Jesus hatte bis zum Schluss um ihn gekämpft. Die Einsamkeit um Jesus herum wurde immer bedrückender. Den letzten Kampf musste er alleine ausfechten. Das konnte ihm keiner abnehmen. Und doch wünschte er sich ein paar Gefährten in seiner Nähe. Er bat seine drei engsten Freunde mit ihm wach zu bleiben. „Wachet und betet mit mir.“ Mit Jesus Nachtwache halten. Für und bei Jesus wach bleiben. Das heißt auch mit Jesus für andere aufmerksam bleiben. Und Beten. Ein Mensch sein, der auf Hilfe angewiesen ist. Und darum auch Gott bitten. Es geht nicht um einen Rekord im Wachbleiben. Dass wir müde werden, dass unsere Kräfte begrenzt sind, ist menschlich. Und unser Mitgefühl und unser Wille zum Mit-Wachen sind ebenfalls begrenzt. Die größere Gefahr ist Überheblichkeit. „Der ist über seine Arroganz gestolpert.“ – so hörte ich als Quintessenz über jemanden, der die große Karriere gesucht hat und die Freunde verloren hat. Und irgendwie auch das wahre Leben. Arroganz und falsche Selbstsicherheit – davor warnt Jesus seine Jünger. Sie schaffen es nicht auch nur eine Stunde mit Jesus zu wachen. Und trotzdem oder gerade deshalb können wir sagen: Lehrreiche Nachtwache – mitfühlender Jesus.

Karsten Hellwig, Prediger Landeskirchliche Gemeinschaft Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 31.03.2011