Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht!

Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.

Apostelgeschichte 18, 9-10)

Liebe Leser,

wo wir Zustimmung erwarten, dort fällt uns das Reden leicht. Anders ist es, wenn wir etwas sagen müssen, was unpopulär ist, wo wir mit Widerspruch oder gar Ablehnung rechnen müssen. Da überlegt man es sich, ob man den Mund aufmacht, oder sich lieber auf die Zunge beißt.

Ich erlebe es bei Talkrunden im Fernsehen oft, wie Gesprächsteilnehmer nieder geredet werden, wenn sie unpopuläre Minderheitsmeinungen vertreten. Und ich erinnere mich an eine Sendung, die ich vor Wochen sah, wo auch der Moderator seine Neutralität aufgegeben und für die populäre Mehrheitsmeinung eingetreten ist, obwohl die anstößige Aussage eine durchaus christlich begründete war. Fürchtete er um die Einschaltquoten?

Der Apostel Paulus stand vor einer neuen Herausforderung. Er hatte sich vom Christenverfolger zum bekennenden Christen gewandelt durch Gottes Eingriff in seinem Leben. Nun erzählte er unter den Juden von Jesus Christus. Als er dort kein Gehör mehr fand, wandte er sich den Griechen zu, um dort die Botschaft von Jesus bekannt zu machen. Es war ihm einfach ein Anliegen, das was sein Herz erfüllte und was sein Leben zum Guten verändert hatte, auch anderen Menschen weiter zu sagen. Aber, es war für ihn eben auch eine neue Herausforderung. Wie werden sie reagieren, die ja zum großen Teil an andere Götter glaubten. Ich denke mir, dass Paulus in der Nacht vor seiner ersten Rede vor den Griechen unruhig geschlafen hat. Jedenfalls erscheint ihm in der Nacht Gott und redet zu ihm: „Fürchte dich nicht! Rede nur, schweige nicht! Denn ich bin mit dir.“ So ermutigt hält er am nächsten Tag öffentlich seine Rede vor vielen Griechen in der Stadt Korinth - und sie endet fast mit einem Desaster. Die Leute schleppen in vor den Kadi, damit er Paulus wegen Verbreitung unpopulärer Botschaften verurteilt. Aber der Kadi ist mit Weisheit gesegnet. Sein Urteil: Hier geht es nicht um Fragen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sondern um Glaubensfragen. Dafür ist er nicht zuständig. Paulus hat erfahren, wie Gott Wort gehalten hat. Er war mit ihm gewesen.

Fürchte dich nicht, rede, wo du nicht schweigen kannst! Gott ist mit dir! Gilt das in jedem Fall? Es gilt, wo du mit deinen Worten Menschen dienst und Gutes tust. Es gilt, wenn du mit deinen Worten gegen Unrecht eintrittst, wenn du deinen Mund aufmachst für Menschen, die sich nicht wehren können, wenn ihnen Unrecht geschieht. Es gilt, wenn du einschreitest, wenn gegen Menschen hinter ihrem Rücken böse geredet wird. Es gilt, wenn du dich einsetzt für Menschen, denen man das Lebensrecht verweigern will, wie z.B. ungeborenen Kindern oder unheilbar kranken Menschen. Da hast du Gott mit dir, denn er will, dass Menschen Leben und Gerechtigkeit erfahren. Und er ist mit dir, wenn du, sofern du gläubig bist, von deinem Glauben redest. Lass dich nicht verunsichern, wenn du auf Unverständnis oder Ablehnung stößt. Was du im Herzen hast, darfst du nicht verschweigen. Mit deiner christlichen Überzeugung hast du viel gutes in deiner Umwelt und in die Gesellschaft einzubringen.

Aber es gilt nicht, wenn du menschenverachtende, lebensfeindliche, zerstörende Ansichten öffentlich äußerst. Hier hast du (zum Glück) auch die Mehrheit gegen dich. Hier steht auch Gott nicht hinter dir. Darum prüfe, was du vor anderen Menschen oder öffentlich sagst, ob du es auch vor Gott verantworten kannst!

Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfr. Eckehard Graubner
Falkensteiner Anzeiger, 27.06.2013