Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!

Matthäus 27,54

Die Geschichte geht unter die Haut: Da wird ein Mensch unschuldig hingerichtet. Er, Jesus aus Nazareth, stirbt einen grausamen Tod, angenagelt an ein Holzkreuz. Und ausgerechnet die Vollzugsbeamten, welche das blutige „Handwerk“ ausführen - Soldaten und Repräsentanten der Römischen Besatzungsmacht - müssen erschüttert feststellen und bekennen: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen! Ausgerechnet die Leute, die mit dem Gott der Bibel und mit dem Glauben von Christen und Juden aber auch gar nichts am Hut haben, erkennen den tiefen Sinn und die Wahrheit in dem, was geschieht.

„Gottes Sohn“ - so wurden antike Herrscher genannt, so nannten sie sich selbst. Damit bekräftigten sie die Würde und Autorität ihres Amtes als Stellvertreter Gottes auf Erden. Damit legitimierten sie ihre grausame Herrschaft, blutige Eroberungskriege, und ihren Reichtum auf Kosten armer, unterdrückter Menschen. Diese selbsternannten Gottessöhne konnten auch keinen Konkurrenten neben sich dulden. Deshalb haben sie dann auch die ersten Christen grausam verfolgt, weil diese Jesus Christus als den wahren Sohn Gottes propagierten. Das alles geschieht, wenn Menschen sich selbst mit Gott und mit dem wahren Sohn Gottes verwechseln. Selbsternannte Vollzugsorgane einer „göttlichen“, einer absoluten Autorität gab und gibt es immer wieder - bis in unsere Gegenwart: So zogen „Christen“ mit dem „Segen“ ihrer Institutionen in Kreuzzüge, um „heilige“ Stätten aus der Hand Andersgläubiger zu „befreien“. Ganze Völker wurden ausgerottet, weil sie nicht die Religion ihrer Eroberer annahmen. Angehörige einer „Herrenrasse“ und ihre „Führer“ begründeten furchtbare Weltkriege und Völkermorde mit einer göttlichen Vorsehung. „Gotteskrieger“ verbreiten Terror und Schrecken auf der ganzen Erde und in ihrem „Gottesstaat“. „Gewaltfrei gegen Glaubenskriege“ rufen selbsternannte Retter des „christlichen Abendlandes“ bei ihren „Spaziergängen“ zum Kampf gegen Fremde und Andersgläubige. Aus „gewaltfreien“ verbalen Verleumdungen, Hetztiraden, Schmähungen und Morddrohungen kann schnell blutige Realität entstehen!

Der wahre Sohn Gottes repräsentiert einen intoleranten, grausamen Gott eben so wenig wie einen Gott, der grausame und pädophile Gelüste befriedigt mit Gutscheinen für einen ewigen Aufenthalt in einem „Freudenhaus“ mit kindlichen Jungfrauen ...

Jesus offenbart mit seinem Leben und insbesondere mit seinem Sterben am Kreuz einen Gott, der ganz anders ist, als die von Menschen selbst erdachten und selbsternannten Götter und Göttersöhne: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“ (Johannes 3,16) „Gott“ (d.h. Quelle, Grund und Ziel für alles Leben sowie letzte und absolute Autorität) ist Liebe und nichts als Liebe. Das hat Jesus gelebt und gepredigt: Liebe, nichts als Liebe - eine Liebe, die nicht danach fragt, was einer hat oder was eine kann oder was die anderen von ihnen halten; eine Liebe die Grenzen überwindet - die Mauern in unseren Köpfen und Herzen; eine Liebe die aneckt, weil sie diejenigen Lügen straft, die meinen, die Weisheit und die Gerechtigkeit für sich selbst gepachtet zu haben; eine Liebe, die Witwen und Waisen, Huren und Zöllner, Frauen und Kinder, Arme und Gebrochene, Kranke und Verfolgte, ja sogar Angehörige fremder und verhasster Religionen und Todfeinde reich beschenkt.

Das Entscheidende geschieht am Kreuz, wo Jesus alles Trennende - Schuld, Sünde und Tod - auf sich nimmt, um es zu überwinden. Hier erkennen und bekennen die Römischen Soldaten den wahren Sohn Gottes, der dann am Ostermorgen zu neuem, ewigem Leben auferstanden ist. Durch IHN kommt Gottes Herrschaft („Reich Gottes“) zur Geltung. Allerdings: weder als „Gottesstaat“, noch als „Christliches Abendland“, noch in irgendwelchen Institutionen - vielmehr in den Herzen derer, die den wahren Sohn Gottes als ihren Bruder und Herrn annehmen.

Staatsbürger im Reich Gottes wird man nicht durch einen Pass oder Aufenthaltstitel sondern einzig durch Umkehr zu den Grundwerten Gottes, die der wahre Sohn Gottes verkörpert: Liebe zu Gott und den Mitmenschen (auch Feinden!), Vertrauen, Versöhnung, Vergebung, Barmherzigkeit, Güte, Mitleid, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Frieden und Freiheit in Verantwortung für die ganze Schöpfung.

Wer Jesus als Bruder vertraut, wird selbst zu einem Sohn / einer Tochter Gottes, findet als Gotteskind Frieden und Geborgenheit im göttlichen Vater und wird Teil einer Lebens- und Dienstgemeinschaft von Geschwistern. Wer Jesus zum Herrn und Bruder hat, kann seine Mitmenschen (auch und gerade die „Fremden“) nicht mehr als Konkurrenten sehen - vielmehr als Brüder und Schwestern, die mit je eigenen Prägungen und Gewohnheiten (menschlich, kulturell, „religiös“ …) nur gemeinsam eine glückliche Familie werden, die ihr Wohnhaus und ihren Garten (die Erde) nachhaltig bebauen, bewahren und bewohnen können. Jesus, Gottes Sohn, sagt: »Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt diese gute Botschaft!« (Markus 1,15)

Herzlich grüßt Sie Ihr Pastor Norbert Lötzsch
Falkensteiner Anzeiger, 26.03.2015