Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!

Ich lasse dich nicht los, wenn du mich nicht segnest.

1. Mose 32,27

Haben Sie sich schon einmal gesehnt nach Gottes Segen? Es gibt Menschen, die sehen den Glauben als Beigabe für ihr Leben: „Ich finde es gut, an Gott zu glauben und sich an den christlichen Werten zu orientieren. Aber ich muss ja nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen oder jeden Tag beten“, so denkt mancher. Jeden Tag schenkt uns Gott seinen Segen: er hat uns das Leben gegeben, er gibt uns Nahrung und Kleidung, Gesundheit und Frieden. Dann kommen Tage, wo Gott scheinbar seinen Segen abzieht: eine Krankheit kommt, Sorgen stellen sich ein, Nöte, die ich vorher nicht kannte. Was nun? „Kann es denn Gott wirklich geben?“, so fragen wir dann. Dabei will uns Gott darauf aufmerksam machen, wie nötig wir seinen Segen brauchen!

Jakob, von dem die Bibel erzählt, hatte sich lange durch sein Leben geschmuggelt: immer an den Widerständen vorbei. Er hat sich das Erstgeburtsrecht seines älteren Bruders, das ihm das Erbe sicherte, mit einem Linsengericht erkauft. Er hat sich den Erstgeburtssegen seines Vaters erschlichen. Er ergatterte durch eine List Reichtum bei seinem Schwiegervater, dem er diente und der ihn betrügen wollte. Durch Geschenke versuchte er, später seinen Bruder wieder versöhnlich zu stimmen. Eines Nachts aber stellte sich Gott dem Jakob in den Weg. Ein Engel versperrte ihm den Durchgang an den Furten des Flusses Jabbok. Jakob rang mit ihm, doch er konnte ihn nicht überwinden. Sein Hüftgelenk wurde dabei ausgerenkt. Und Jakob ahnte, dass es kein menschlicher Gegner war, der mit ihm rang. Sein Gegner war Gott selbst. An ihn hängte sich nun der Jakob und sprach: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn!“ An diesem anbrechenden Morgen erhielt Jakob den Namen Israel. Und Gott segnete ihn.

An dieser Begebenheit können wir einiges lernen: Jakob erhielt den Segen nicht dadurch, dass er mit Gott kämpfte, sondern dadurch, dass er ihn nicht losließ. Seine Hüfte war verrenkt, er konnte nicht mehr kämpfen; aber er wollte Gott nicht lassen. Unfähig zu ringen, schlang er die Arme an den Hals seines Gegners und hängte sich mit seiner ganzen Hilflosigkeit an ihn. Manchmal führt uns Gott an Punkte in unserem Leben, an denen wir aufhören zu kämpfen, unseren eigenen Willen loslassen und in festem Glauben die Arme um den Hals des himmlischen Vaters schlingen. Dann erfahren wir, dass uns Gott nicht nur einen neuen Namen, sondern ein neues Leben geben will. Dann erfahren wir, dass Gott nicht nur eine Beigabe für unser Leben ist, sondern dass wir ihn selbst brauchen – seine ganze Person. Dann erfahren wir, wie er unser Leben verändert.

„Eingeladen zum Freudenfest“ – unter diesem Motto sind wir im Juni in das Zelt am Trützschlerplatz eingeladen. Es ist Gottes Einladung an Sie. Er kommt zu uns – wie er damals in der Nacht am Jabbok zu Jakob kam. Durch die Vorträge zu Themen der Bibel wird vielleicht auch manche Lebensfrage, die Du mit Dir herumträgst, gelöst. Sie sind herzlich eingeladen, zu kommen, zu hören und zu sehen.

Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn! AMEN.

Ihr Pfarrer Grundmann
Falkensteiner Anzeiger, 28.05.2015