Sommerzeit – Urlaubszeit – Zeit zum Staunen und Genießen

Wenn Sie diesen Anzeiger in den Händen halten, bin ich schon längst im Urlaub oder gar schon zurück. Jedes Jahr freuen sich besonders Schüler und Werktätige auf den Urlaub und die anderen sowieso auch auf den Sommer. Und wie schnell ist er dann jedes Jahr wieder da – und bald wieder vorbei…

Sehr oft habe ich in letzter Zeit von Leuten gehört: Wo ist die Zeit schon wieder hin? Es ist ja schon Juni! Und wie lange haben wir uns in den kälteren und dunkleren Monaten darauf gefreut?

Um so wichtiger ist es, die Tage des Sommers, das Zwitschern der Vögel und das Licht am Morgen, das üppige Grün der Bäume, die herrlichen Blüten der Blumen, die ersten Früchte, die lauen Abende zu genießen und sich dankbar darüber zu freuen. Und dann je nach Vorlieben und Möglichkeiten im Urlaub das Meer oder die Berge, andere Länder mit ihren Kulturen oder kulinarischen Spezialitäten zu sehen. Nehmen Sie sich dann immer wieder einmal Zeit, um das zu genießen:

Die Weite, die ein Ausblick von einem Berggipfel bietet – auch hier im Vogtland; das Rauschen des Meeres, das Kreischen der Möwen; die Betriebsamkeit einer Touristenstadt oder Metropole irgendwo in einem anderen Land; leckere Speisen und Getränke, die es hier so nicht gibt, bedeutende Sehenswürdigkeiten, die vom Handwerklichen Können der Menschen zeugen oder schöne Produkte, die mich an andere Länder erinnern oder anderen hier mitgebracht, eine Freude machen. All das lädt uns ein, zu schauen, zu staunen und irgendwie zu ahnen – oder als gläubige Christen zu wissen, dass dahinter, davor, darüber und darin Spuren eines göttlichen Schöpfers zu erkennen sind. Das kann doch nicht alles nur zufällig ohne Sinn und Ziel entstanden sein – einfach so? Die Schönheiten der Natur – hier oder weit entfernt – laden ein, darüber nachzudenken, woher all das kommt und dass wir Menschen nur ein winzig kleiner Teil in einem hoch komplexen Universum sind, dass gut zusammen harmoniert. Doch uns wird auch bewusst, im Anblick rapide schmelzender Gletscher oder verschmutzter Meere oder unberechenbarer Naturkatastrophen – hier oder weit weg, dass irgendwie alles nicht mehr in der guten Ordnung und Harmonie steht und sich deshalb Vieles gravierend verändert.

Wenn es uns gelingt, einen guten und wachen Blick für die Schönheiten und feinen Zusammenhänge der Natur zu bekommen und darüber dankbar und ehrfürchtig zu schauen, dann werden wir auch entsprechend mit allen Dingen umgehen und sie zu schützen und zu erhalten suchen.

Wenn Sie also hier oder im Urlaub in der Ferne die Schönheit der Natur sehen, dann nehmen Sie sich Zeit zum bewussten Genießen mit allen Sinnen, um zu staunen und dankbar zu werden. Vielleicht bekommen Sie neu eine Ahnung, dass das alles einen guten Ursprung und ein Ziel hat. Und wenn Sie möchten, dann loben Sie Gott als Schöpfer all dieser herrlichen und feinen Zusammenhänge. Wie der Psalmbeter, der 3000 Jahre vor uns lebte, sein Staunen über die Schöpfung ausdrückte: „Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.“ (Psalm 104,1+24 nach der Einheitsübersetzung von 1980)

In diesem Sinne wünsche ich allen einen herrlichen Sommer mit vielen Gelegenheiten zum Staunen!

Pfarrer Ralph Kochinka,
katholischer Pfarrer von Auerbach und Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 28.06.2018