Von guten und weniger guten Zeiten in unserem Leben

Für den Monat Juli, für manche vielleicht Urlaubszeit, ist uns ein Bibelvers gegeben, der uns zum „weitergehen“ ermutigt:

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss, denn du hast einen weiten Weg vor dir!

1. Könige 19,7

Mir begegnen hin und wieder Menschen, die enttäuscht und niedergeschlagen sind, mutlos und zurückgezogen, mit sich und der Welt unzufrieden. Manche von ihnen müssen das immer und zu allen Gelegenheiten von sich geben im Schimpfen, Lamentieren oder sogar wutentbrannt demonstrierend und um sich schlagend. Andere wiederum verkriechen sich in ihrem Schneckenhaus und ziehen sich zurück in ihren Enttäuschungen und Verzagtheiten.

Der Bibelvers für den Monat Juli aus dem 1. Buch Könige im Alten Testament berichtet von einem Mann Gottes, dem es wohl ähnlich ergangen sein mag. Die Geschichte von Elia ist gut nachzulesen, beinahe als Urlaubslektüre geeignet in den Kapiteln 17 – 21.

Elia lebte in der Zeit des israelitischen Königs Ahab. Ahab war ein König, der nichts mit Gott zu tun hatte. Es heißt sogar (1. Könige 16,30), „dass er tat, was dem Herrn missfiel, mehr als alle, die vor ihm gewesen waren.“ Er war übrigens nicht der erste und letzte, dem so ein Zeugnis ausgestellt wurde. In solchen Herrschaftszeiten ging es dem Volk Israel, dem Volk Gottes, immer schlecht. Und da beruft sich Gott den Elia zu seinem Diener und Propheten, um dem Ahab zu zeigen, wer der Herr ist, wer das Sagen hat. Dort, wo sich die Verantwortlichen Gott zuwenden (übrigens damals wie heute), geht es dem Volk gut. Um wieder auf Elia zurück zu kommen, erlebt er die Macht und Herrlichkeit Gottes in ganz großartiger Weise, (nachzulesen in 1. Könige 18). Eine kurze Zeit später tritt eine Frau ins Rampenlicht, Isebel, die Frau des Königs, die Ahab ins Gewissen redet: „Du wirst dich doch nicht von so einem Dahergelaufenen ins Boxhorn jagen lassen. Ich werde dafür sorgen, dass er auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwindet.“ Und zu Beginn des Kapitel 19 geschieht das tatsächlich. Elia zieht sich zurück in die Wüste. Er ist mit Gott und mit sich selber am Ende. Er hat Angst und verkriecht sich. Elia erwartet das Ende. Aber Gott hat noch vieles mit ihm vor. „Steh auf und iss!“ An dieser Stelle steht sogar, dass Gott ihm einen Krug mit frischem Wasser und einem geröstetem Brot (beinahe wie eine Grillszene) auftischte. Leute Gottes können also in solche seelischen Tiefzeiten geraten, aber Gott lässt sie nicht darin. Er stellt sie wieder aufrecht und zeigt ihnen, dass er noch Gutes und Wichtiges mit ihnen vorhat.

Mich erinnert diese Geschichte von Elia an unser derzeitiges Ergehen. Wir haben vor 30 Jahren erleben dürfen, wie Gott in ganz großartiger Weise unserem Volk geholfen hat, dass wir wieder ein Land und Volk sein dürfen mit so vielen großartigen Möglichkeiten. Und jetzt müssen wir erleben, wie ein Virus (Isebel) so vieles lahm legt und eingrenzt. Ich möchte uns mit diesen Zeilen ermutigen, uns von Gott berühren zu lassen wie damals den Elia, um uns wieder auf zu richten, in Gang zu setzen, sein Werk, seine guten Absichten mit uns und der Welt wieder in den Blick zu nehmen. Elia hatte damals einen langen und weiten Weg vor sich. Lassen wir uns also nicht irre machen, wenn Gottes Wege mit uns längerfristig sind, nicht von heute auf morgen. Aber Gottes Wege mit uns sind vollkommen und führen zum Ziel. Ich wünsche uns allen so eine enge Beziehung zu Gott, dass er uns berühren und in Gang setzen kann. Eine frohe und ermutigende Sommerzeit.

Pfarrer i.R. Volkmar Körner
Falkensteiner Anzeiger, 25.06.2020