Gedanken zur Jahreslosung 2021: Gott ist barmherzig

JJesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Lukas 6,36

Advent und Weihnachten stehen vor der Tür. Die Tage werden dunkler und es tut gut, wenn in den Fenstern Lichter angezündet werden – gerade in diesem Jahr! Ich schreibe diese Zeilen und weiß noch nicht, wie diese besondere Zeit verlaufen wird. Werden wir Weihnachten in den Kirchen feiern können? Oder wird auch diesem Fest alles anders? Die gute Nachricht ist: Weihnachten fällt nicht aus! Denn Gottes Barmherzigkeit fällt nicht aus. Nein, euer himmlischer Vater ist barmherzig – das sagt Jesus den Menschen, die ihm am See Genezareth zuhören. Seid deshalb auch barmherzig. Gott ist in diese Welt gekommen, um seine Barmherzigkeit in das Dunkel der Welt zu bringen. Das gilt auch 2020.

Als der Mensch sich im Paradies von Gott trennte, kam die Sünde in die Welt. Und mit ihr kam die Unbarmherzigkeit. Sofort zeigte der eine auf den anderen: Der andere hat Schuld! Auch Gott wurde angeklagt. Der Neid wurde stärker als die Barmherzigkeit und führte zum ersten Brudermord. Seitdem ist die Welt durchzogen von einer Geschichte von Unbarmherzigkeit und Streit. Da griff Gott ein und sandte seinen Sohn in diese zerrissene Welt. In ihm wurde Gottes Barmherzigkeit Mensch, erfahrbar für jeden, der Jesus begegnet.

Wenn wir in diesem Jahr Weihnachten feiern, werden wir es voraussichtlich anders tun, als in den anderen Jahren. Es wird ein stilleres Fest werden. Vielleicht wird auch manches Familientreffen und manche Einladung nicht zustande kommen. Und doch ist Gottes Barmherzigkeit in Jesus für uns da!

Auch damals, als Jesus zur Welt kam, war das so: Er kam gerade zu denen, die keiner im Blick hatte. Er kam zu denen, die weit ab von den anderen vor den Toren von Bethlehem saßen und die Tiere hüteten. Er kam zu denen, denen keiner Beachtung schenkte. Er lies sich finden von denen, die aus der Ferne herbeizogen, um den wahren Gott zu suchen; von denen, die sich auf den Weg machten, weil sie einen festen Halt für ihr Leben suchten – zu den Weisen aus dem Morgenland. Er kam zu denen, die am Rande standen. Das ist seine Barmherzigkeit. Wer barmherzig ist, sieht nicht zuerst sein gutes Recht. Er sieht die Not des anderen.

Das sollen wir von Jesus lernen. Gottes gutes Recht wäre es gewesen, mit allen Ehren und allem Prunk in dieser Welt empfangen zu werden. Doch er sah die Not aller, die ihn wirklich brauchen. Und er machte sich auf den Weg zu ihnen. „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ An der Barmherzigkeit Jesu, die sich in den Seinen widerspiegelt, werden Christen als Kinder ihres himmlischen Vaters erkennbar.

Nichts, nichts hat dich getrieben zu mir vom Himmelszelt, als das geliebte Lieben, damit du alle Welt in ihren tausend Plagen und großen Jammerlast, die kein Mund kann aussagen, so fest umfangen hast. Danke, Herr Jesus. AMEN.

Ihr Pfarrer Jörg Grundmann
Falkensteiner Anzeiger, 26.11.2020