Gedanken zur Jahreslosung 2021: Barmherzigkeit

JJesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Lukas 6,36

Darf ich Sie einladen, mit mir ein anscheinend aus der Mode geratenes Wort nachzubuchstabieren? Ich denke an das Wort BARMHERZIGKEIT. Christen lesen davon in der biblischen Jahreslosung für das Jahr 2021 aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, Vers 36. Jesus gab da Orientirungen für unser Handeln, unter anderem den Satz: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Ich weiß nun nicht, liebe Leserinnen und Leser, wie Sie Ihren leiblichen Vater erleben oder erlebt hatten und ob Sie wie ich und viele andere unserem Vater im Himmel vertrauen. Aber - so oder so - bleibt Barmherzigkeit eine wertvolle menschliche Tugend und ist ein barmherziger Umgang miteinander unverzichtbar für unser Leben.

Was aber bedeutet das scheinbar aus der Mode gekommene Wort BARMHERZIGKEIT?

In der Sprache der Bibel deutet der Ausdruck Barmherzigkeit (hebr.: rachamim) hin auf Vorgänge in unserem Innern - um nicht zu sagen: in den Weichteilen unseres Körpers.

Derartige bildliche Vorstellungen kennen wir ja auch. Z.B. wenn wir sagen, es schlage uns etwas auf den Magen, uns gehe etwas zu Herzen oder - und Tierkördies trifft es nach meinem Empfinden am besten: uns gehe etwas an die Nieren. Was - so frage ich nun schlicht -, was geht Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, an die Nieren? Die Not Ihres Nachbarn? Die Pandemie-Situation? Das Artensterben in der Natur? Die Brutalität der Diktatur in Belarus? Das Schicksal von Bootsflüchtlingen vor der lybischen Küste? Die Krankheit Ihres Ehepartners / Ihrer Ehepartnerin? Die Einsamkeit eines alten Menschen im Seniorenheim?

Und wenn Ihnen etwas derartiges bzw. die Not eines Menschen an die Nieren geht, was löst dies in Ihnen aus? Ein Mitfühlen und Mitleiden? Den Impuls, nun dringend etwas tun zu müssen? Die Bereitschaft, Abhilfe zu schaffen? Rücksicht zu nehmen auf die Unterlegenen? Die Hinwendung zu denen, die sonst auf der Strecke bleiben? Nachsicht eingedenk unsere Fehlerhaftigkeit? Die Bereitschaft zur Versöhnung? ... Dann sind Sie dabei, barmherzig zu empfinden und barmherzig zu handeln. Und schließlich: Was für ein Gedanke sich vorzustellen, es ginge Gott jedesmal „an die Nieren“, wenn wir Menschen in Not geraten, sei es durch Krankheit, durch zwischenmenschliche Verletzungen, durch Schuld.

Wenn Sie meinem Nachbuchstabieren jenes anscheinend aus der Mode geratenen Wortes bisher halbwegs folgen konnten, dann haben Sie vielleicht begonnen, mit mir über den Wert der Jahreslosung für 2021 zu staunen. Jesus rät uns: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!

Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr und alle Zeit, die uns geschenkt werden wird, dass Sie, wann immer nötig, Barmherzigkeit erfahren und auch selbst barmherzig denken, reden und handeln können. Damit kann unser Leben gelingen.

In diesem Sinn Ihnen allen lauter Segen zum neuen Jahr!

Pastor Jörg-Eckbert Neels, Evangelisch-methodistische Kirche Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 17.12.2021