Wachstum zu neuem Leben

In der Natur erleben wir nach einem intensiven Winter, dass so langsam Anzeichen des Frühlings zu hören und zu sehen sind: die Vögel zwitschern wieder, Knospen an den Zweigen werden dicker, erste Frühlingsblüher schieben sich aus dem Boden heraus. Die Natur, die lange Zeit in Winterstarre war, lebt neu auf. Die Pflanzen, die wie tot wirkten, haben innerlich Kraft geschöpft und können nun umso intensiver zu neuem Leben erblühen. Ein schönes Bild auch für uns Menschen! Nach der langen und schweren Zeit der Pandemie hoffen auch viele auf neue Aufbrüche durch Lockerungen. Und wir Christen gehen in der Fastenzeit auf das Osterfest zu. Für Viele – besonders die, die mit Kirche und christlichem Glauben nicht viel anfangen können – klingt das Wort Fastenzeit eher negativ. Da geht es um Verzicht, da darf man das und jenes nicht usw.

Dabei geht es um eine Chance, im freiwilligen Verzicht auf manches Liebgewordene wieder neu zum Wichtigen und Wesentlichen zu finden und neue Kraft zu schöpfen.

Paulus ruft den Christen in Korinth zu: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung.“ (2. Korinther 6,2) Es soll also eine Zeit sein, in der uns besonders viel geschenkt werden kann, wenn wir uns darauf einlassen.

Viele Angebote in den christlichen Gemeinden zielen darauf hin, in den Beziehungen zu den Mitmenschen, zu Gott und zu sich selber zu einer neuen Tiefe und Intensität zu wachsen. Die Fastenzeit kann so zu einer echten Zeit des Wachsens und Reifens werden. Das schafft eine neue Lebensqualität. Schließlich ist das Ziel der Fastenzeit das Osterfest, das große Fest des Sieges über den Tod, das große Fest des Lebens, das Jesus in seiner Auferstehung geschenkt hat. Dieses Leben in Fülle möchte er allen schenken. In der Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest sind wir eingeladen, das Wesentliche in unserem Leben wieder neu zu entdecken und das Gute in uns zu stärken.

So können wir dann – wie jetzt die Natur um uns – auch aufblühen zu neuem frischem Leben.

Ralph Kochinka, Pfarrer der Römisch-Katholischen Pfarrei Sankt Christophorus Auerbach, Falkenstein und Reichenbach
Falkensteiner Anzeiger, 25.02.2021