Hab keine Angst und fürchte Dich nicht

In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Johannes 16,33b

Eine alte indische Fabel erzählt von einer Maus, die in großer und ständiger Angst vor der Katze lebte. Ein Zauberer hatte Erbarmen mit der Maus und verwandelte sie in eine Katze. Aber nun hatte die Maus, die in eine Katze verwandelt worden war, eine ständige Angst vor dem Hund. Also verwandelte sie der Zauberer in einen großen Hund. Doch nun als Hund fürchtete sie den Panther. Und der Zauberer verwandelte sie in einen Panther. Doch nun hatte sie solche Angst vor dem Jäger. Da gab der Zauberer auf, verwandelte sie wieder in eine Maus und meinte: „Dir wird keine äußere Verwandlung helfen, denn du hast immer das Herz einer Maus!“ Der Zauberer konnte das Grundproblem der Maus nicht lösen. Ihr Herz war und blieb ängstlich. Diese Fabel wirft ein Schlaglicht auf das menschliche Herz. Es bleibt dasselbe, egal welche Rollen Menschen spielen, egal in welchen Positionen sie stehen, egal wie sie sich anderen gegenüber darstellen oder aufspielen. Jesus Christus bringt diesen Sachverhalt auf den Punkt, wenn er sagt:

„In der Welt habt ihr Angst...“ (Johannes 16,33b).

Ja wir haben wirklich Angst. Angst vor allem Möglichen. Andreas Malessa hat das wunderbar in einem Lied aufgegriffen. Er dichtet:

1) Und wenn du morgen dann wieder allein bist in einem Alltag voll Ratlosigkeit, wenn das Singen und Lachen verstummt ist, überlagert von Ärger und Streit. In die lähmende Angst vor der Zukunft, in das Erschrecken vor Krankheit und Leid, klingt seit Ostern das Lied eines Siegers: Keine Angst, ich bin da, jederzeit.

2) Und wenn du morgen wieder zweifelst, ob es wahr ist, dass Jesus Christus hier unter uns lebt, gibt es Menschen, durch die er dir nah ist, alle Lieblosigkeiten vergibt. Durch einen Türspalt dringt Licht aus dem Festsaal. In unser Zimmer der Diesseitigkeit. Und bevor sich dies Tor für dich öffnet, klingt von drüben ein Lied in die Zeit.

Ref.: Hab keine Angst und fürchte dich nicht, denn die Herrschaft des Bösen zerbricht. An der Liebe, die selbst noch den Tod überlebt. Ich bin da, darum fürchte dich nicht.

In diesem Lied wird indirekt auf Ostern hingewiesen, - das wohl „wichtigste Ereignis der Weltgeschichte“,- so bezeugen es Christen weltweit. Durch die Auferstehung Jesu ist dem Tod die Macht genommen auch wenn uns die Schrecken des Todes immer wieder noch gefangen halten.

Tod in all seinen Fassetten nehmen wir wahr und bitte ernst. Aber da bleiben wir doch nicht stehen!! Es gibt ein Leben nach dem Tod, ein ewiges, unvergängliches Leben! Jesus Christus kam in diese Welt (Advent und Weihnachten), damit wir in dieser Welt keine Angst haben - vor Nichts und Niemand - auch nicht vor dem Tod. Der ist zu Ostern endgültig besiegt. Wir dürfen uns dessen gewiss sein:

Jesus ist Retter, Heiland und Sieger über alles, was uns Angst macht. Der oben zitierte Satz im Johannesevangelium geht ja auch weiter: „In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.“ Im Licht von Ostern wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit inmitten der Ängste dieser Welt. Im Licht von Ostern gibt es deshalb nicht nur ein Leben nach dem Tod sondern auch ein Leben vor dem Tod - voller Zuversicht und Gewissheit - weil Jesus sagt: „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Johannes 14,19).

Ihr Peter Tischendorf, Gemeinschaftspastor im Auerbacher Gemeinschaftsbezirk
Falkensteiner Anzeiger, 29.04.2021