Wo suchen wir Gott?

Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Apostelgeschichte 17,27

Liebe Leserinnen und Leser, begleiten Sie mich zunächst in das folgende Gleichnis:

In ihrem kleinen Teich begegnen einander zwei Fische. Sagt der eine: „Hast du schon gehört?“ Fragt der andere: „Was denn?“ „Einige behaupten, es gäbe Wasser, und das sei schlichtweg lebensnotwenig“, sagt der erste. Der zweite bleibt skeptisch: „Aber was soll denn das sein: Wasser? Hast du Wasser überhaupt schon einmal gesehen?“

Weil beide jedoch halbwegs wissbegierig sind, erkundigen sie sich und finden heraus, im großen Meer lebe ein sehr kluger Fisch, der alle Dinge kennt. Zu dem machen sie sich auf den Weg durch Bäche und Flüsse, erreichen das Meer und befragen den gelehrten Fisch. Der hört ihre Frage und sagt: „Ihr einfältigen Fische! Im Wasser lebt und bewegt ihr euch. Im Wasser seid ihr geboren. Euer Leben verdankt ihr dem Wasser. Alles was euch umgibt, ist Wasser. Und da fragt ihr noch!“

„Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ So sagte der Apostel Paulus - im Monatsspruch aus Apostelgeschichte 17,27 - zu den wissbegierigen Bürgern Athens. Und wir erahnen wohl - besser noch als die Fische im Gleichnis - die Dimension seiner Worte. Wo suchen wir Gott? Draußen oder drinnen? In Bauwerken, Gemäuern, Kathedralen? In der Natur? Im Zwischenmenschlichen? In Geistigem, in der Kunst? Die Antworten darauf sind so vielfältig wie die Menschheit vielfältig ist.

Suchen können wir überall, aber wissen müssen wir: Wo Gott ist, platzt alle Enge aus den Nähten. Wo Gott ist, bröckeln die geschlossenen Weltbilder. Wo Gott ist, findet das Leben ins Weite, öffnen sich unsere begrenzten Horizonte und unsere kurze Sicht. Und wo Gott ist, wird unser Leben nach oben hin offen.

Wo suchen wir Gott? Vermutlich ist die Frage überhaupt falsch gestellt. Vielleicht sollten wir besser fragen: Sucht und findet Gott uns? Und was passiert, wenn er uns findet? Wenn unsere Verstecke auffliegen? Wenn unsere Argumente gegen ihn aufgebraucht sind? Wenn wir unsere Flucht vor ihm aufgeben?

Wo suchen wir Gott? Er sucht und er findet uns. Es liegt nur daran, dass wir aus unseren Verstecken hervorkommen und uns von ihm finden lassen. Und keine Angst! Solches Gefundenwerden ist ein Glück - ein Finderglück.

Das wünscht Ihnen Pastor Jörg-Eckbert Neels, Evangelisch-methodistische Kirche Falkenstein
Falkensteiner Anzeiger, 24.06.2021