Die Herzen ausrichten

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

2. Thessalonicher 3,5

„Die Herzen ausrichten“, so redet heute keiner mehr. Was will der Theologe und Gemeindegründer Paulus, der diesen Satz an die Christen in der Stadt Thessalonich (im heutigen Griechenland) geschrieben hat, damit sagen? Er ermutigt die Christen dort, sich immer wieder neu etwas vor Augen zu halten.

Einmal: sich immer wieder neu die Liebe Gottes vor Augen zu halten; also seine Wertschätzung uns gegenüber; die Tatsache, dass wir von ihm geliebt sind, und zwar bedingungslos. Wir müssen nicht erst dies oder das tun, um von Gott geliebt zu werden, sondern wir sind von ihm geliebt. Punkt. Das ist vielleicht gar nicht so leicht nachzuvollziehen, weil wir Menschen oft Bedingungen an Liebe knüpfen: zum Beispiel gehen manche nur freundlich mit der Verkäuferin um, wenn sie auch freundlich zu ihnen ist. So ist Gott nicht: er geht freundlich mit uns um, auch wenn wir uns ihm gegenüber unfreundlich oder gleichgültig verhalten. Wenn wir uns das immer wieder neu vor Augen halten, schneiden wir uns vielleicht auch hin und wieder eine Scheibe davon ab und lieben andere Menschen wirklich bedingungslos.

Paulus ermutigt die Christen in Thessolonich außerdem, sich immer wieder neu vor Augen zu halten, dass Jesus einmal wiederkommen und Gericht halten wird. Das ist für manche kein besonders schöner Gedanke, hat aber auch etwas mit der Liebe Gottes zu tun. Da Gott nicht nur mich liebt, sondern jeden Menschen, kann er es nicht ertragen, wenn wir uns gegenseitig verletzen und lieblos behandeln. Christen glauben deswegen, dass es einmal eine große „Gerechtigkeitsparty“ geben wird, dass Gott also einmal alle Ungerechtigkeit geradebiegen wird und die Opfer von Gewalt und Menschenverachtung zu ihrem Recht kommen. Wie das praktisch aussehen wird, weiß ich nicht, aber das steht zumindest hinter der Formulierung „Warten auf Christus“. Paulus wünscht sich, dass sich die Christen danach sehnen, dass endlich einmal alles Leid und alle Ungerechtigkeit aufhört und jeder Mensch so mit anderen umgeht, wie Gott schon jetzt mit uns umgeht.

Zum Schluss noch die gute Nachricht: Gott liebt uns sogar so sehr, dass er uns anbietet, diesem Gericht entgehen zu können. Aus Liebe zu mir ist Jesus vor 2000 Jahren stellvertretend für mich gestorben, und hat damit das Urteil getragen, das eigentlich mir gilt. Wenn das in Ihnen etwas auslöst und Sie gern mehr darüber wissen wollen: die christlichen Gemeinden in Falkenstein und Umgebung sind gern für Sie da.

Andy Marek, Pastor der Landeskirchlichen Gemeinschaften im Bezirk Auerbach
Falkensteiner Anzeiger, 28.10.2021