Gott will bei dir wohnen

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.

Sacharja 2,14

Fenster mit der Geburt Jesu aus der evangelisch-lutherischen Kirche in Vilkyskiai (Willkischken) in Litauen (Rechte: Gustav-Adolf-Werk)

Liebe Leserinnen und Leser,

Tochter Zion, wer ist diese Frau? Zion heißt der Berg, auf dem Jerusalem gebaut wurde. In vielen Texten im Alten Testament wird die Stadt Jerusalem selbst auch so genannt. Und manchmal ist mit dem Begriff ganz Israel gleich mit gemeint. Beim Propheten Sacharja wird Jerusalem wie eine Person angesprochen: „Tochter Zion“ wird hier wie ein Kosename verwendet, so, wie wir unsere Kinder auch manchmal liebevoll mit Kosenamen benennen. Jerusalem, die „Tochter Zion“ ist wie Gottes Tochter. Sacharja bringt ihr eine gute Nachricht. Gott selbst wird in ihr wohnen. Nach der vielen Not, die diese Stadt erlebt hat, ist das eine echt gute Nachricht. Gott wird in ihr wohnen und er wird dieser Stadt Frieden und Gerechtigkeit schaffen. Alle Not und alles Leid sollen aus ihr verschwinden.

Den Satz des Propheten Sacharja nennt man eine prophetische Verheißung. Und diese erfüllen sich immer schrittweise über einen langen Zeitraum.

Die Verheißung an die Tochter Zion erfüllt sich in vier Schritten, zwei sind schon eingetreten, zwei stehen noch aus.

Mit der Geburt von Jesus Christus ist Gott tatsächlich als Mensch zu seinem Volk Israel gekommen. Das Bild zeigt das Christuskind in der Krippe. Gottes Sohn ist Licht in der finsteren Umgebung. Maria und Josef werden von ihm angestrahlt. Sie stehen in seinem Licht. Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion: Die ersten, die von der Freude über Gottes Kommen angesteckt worden sind, waren die Hirten. Sie kamen an die Krippe und wurden froh, als sie das Kind sahen. Menschen, die zu Jesus Christus kommen, werden mit Freude im Herzen erfüllt.

Vor seiner Kreuzigung ist Jesus auf einem Esel in Jerusalem eingezogen. Damit ist im Wortsinn geschehen, was Sacharja angekündigt hatte.

Nach Jesu Himmelfahrt ist Gottes Geist über die Jünger gekommen. Er wohnt nun in jedem Menschen, der an Jesus Christus glaubt. Jesus sagte einmal: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Gott wohnt in seiner Gemeinde und seinen Gläubigen. Damit hat sich die Verheißung in einem zweiten Schritt erfüllt.

Zwei weitere Erfüllungsschritte stehen noch aus:

Einige Propheten der Bibel kündigen an, dass Gott kommen und in Jerusalem wohnen wird. So wird von Jerusalem Frieden für die ganze Welt ausgehen. Jesus wird bei seiner Wiederkunft vom Himmel her in Jerusalem wohnen.

Und schließlich kündigt das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung, das „neue Jerusalem, das vom Himmel herab kommt“ an. Jerusalem ist hier ein Bild für Gottes Reich, in dem Christus regiert und das von Gottes Frieden erfüllt ist. Hier werden alle leben, die an Jesus Christus geglaubt haben und Gott wird mitten unter ihnen wohnen.

Gott erfüllt seine Verheißung schrittweise mit dem Ziel, dass die Menschen wieder mit ihm zusammen leben, wie im Garten Eden.

Auf diese Verheißung können wir vertrauen. Sie wird Wirklichkeit werden. Die Adventszeit erinnert uns daran, dass Christus kommt. Wenn wir uns zu ihm bekennen, dann wohnt er schon durch seinen Geist in uns. Sein Licht strahlt in uns und es geht von uns aus. So bringen Christen Gottes Frieden, Freude und Hoffnung in die Welt.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Eckehard Graubner
Falkensteiner Anzeiger, 25.11.2021