Es ist ja zum Fürchten!

Mose sagte: Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der HERR euch heute rettet!

2. Mose 14, 13

„Es ist ja zum Fürchten!“ – könnte man angesichts der dramatischen Ereignisse in der Welt und auch in unserem Land ausrufen. In der Ukraine und im Nahen Osten tobt weiterhin Krieg mit all seinen schrecklichen Folgen. Klimabedingungen verändern sich und bringen immer gravierendere Auswirkungen hervor.

In unserem Land werden engagierte Bürgerinnen und Bürger beim Aufhängen von Wahlplakaten brutal attackiert. Menschen werden eingeschüchtert. Unwahrheiten oder Halbwahrheiten werden polemisch verbreitet. Diese Liste ließe sich fortführen.

Wo soll das alles hinführen?

„Es ist ja zum Fürchten!“

In diese Verunsicherung kann das Wort des Mose etwas Halt und Zuversicht geben: „Fürchtet euch nicht!“ Im Blick auf Gott und seine Möglichkeiten brauchen wir uns von Furcht nicht runterziehen lassen. „Bleibt stehen und schaut zu, wie der HERR euch heute rettet!“

Mose rief das damals seinem Volk in dramatischer Situation zu. Sie waren durch Gottes gewaltiges Zutun aus der Sklaverei Ägyptens entkommen und standen nun vor dem Roten Meer, die Streitmacht des Pharaos hinter sich heranrückend. Das war absolut zum Fürchten! Aber Gott wollte machtvoll und befreiend an seinem Volk handeln. Darauf sollten sie auch in dieser aussichtslosen Situation vertrauen. Und sie durften das riesige Wunder erleben, dass Gott sie auf trockenem Fuß durch das rote Meer ziehen ließ. Im Laufe der Geschichte bewirkte Gott immer wieder große Wunder.

Nächstes Jahr werden es 80 Jahre, dass der schreckliche zweite Weltkrieg und die unsägliche Nazidiktatur mit all ihrer vernichtenden Gewalt ein Ende fand.

Dieses Jahr ist es 35 Jahre her, dass wir in unserem Land das Wunder erleben durften, dass die Kommunistische Diktatur friedlich zusammenbrach – unter anderem bewirkt durch Gebet, Kerzen und friedliche Demonstrationen. Doch für solche wunderbaren Errettungen braucht es auch Menschen, die sich mutig einbringen und handeln.

Dieses Stehenbleiben bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, bis Gott endlich handelt. Sicher geht es nicht darum, unbeteiligte passive Zuschauer zu sein.

Ich deute es daraufhin, in unserer schnelllebigen Zeit immer wieder innezuhalten und Gottes Wirken in noch so kleinen Zeichen zu erkennen. Das bedeutet auch, zu merken, was gerade dran und möglich ist. Auch zu erkennen, was ich – zusammen mit anderen – tun kann. Und es bedeutet, diesem allmächtigen Gott wunderbare Wendungen in ausweglosen Situationen zuzutrauen.

Auch Jesus macht seinen Jüngern mitten im Sturm auf dem See Mut. Auf dem Wasser gehend, ruft er ihnen zu: „Habt Vertrauen, ich bin es, fürchtet euch nicht!“ (Matthäus 14, 27)

Wenn wir uns also angesichts furchterregender Situationen Angst und Sorgen machen, können wir stehen bleiben, innehalten und an all die großen Wunder und Möglichkeiten Gottes denken. Auch wenn Manches zum Fürchten ist, Gott gibt uns allen Grund dafür, uns zurufen zu lassen oder gegenseitig zu sagen: „Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der HERR euch heute rettet!“

Pfarrer Ralph Kochinka
Falkensteiner Anzeiger, 30.05.2024


„Wenn du dir die Welt anschaust, wirst du verzweifelt sein. Wenn du nach innen schaust, wirst du deprimiert sein. Aber wenn du auf Christus schaust, wirst du zu Ruhe kommen.“

Corrie ten Boom (1892-1983, niederländische Christin und Judenretterin, überlebte das KZ Ravensbrück)