Ich will jubeln!

Haben Sie heute schon geklagt? Mal so richtig geschimpft oder gar mit der Faust auf den Tisch geschlagen? Gründe gibt es ja genügend. Die Zeiten waren früher auch schon mal besser! Doch da ruft plötzlich jemand: "Ich will jubeln!" Was ist das für einer? Hat er den Verstand verloren oder im Lotto gewonnen? Habakuk, einer der Propheten des Alten Testaments, hätte auch genügend Gründe, um das Leben richtig gemein zu finden. Er lebt in einer Zeit der Ungewissheit und Ungerechtigkeit. Feinde bedrohen sein Volk Israel, und viele seiner Landsleute fragen nicht mehr nach Gott. Er aber will jubeln, auch wenn er die Klage nicht ganz unterdrücken kann: "Herr, wie lange soll ich schreien, und du willst nicht hören?" Jubeln will er über den Herrn und sich freuen über Gott seinen Retter. Das klingt beinahe trotzig. Die Lage ist doch wahrlich nicht berauschend.

Gerade deswegen beeindruckt mich Habakuk. Es ist nicht der Rausch und das überschwängliche Glücksgefühl, aus dem sein Jubel entspringt. Sein Jubel kommt aus dem glaubenden Vertrauen, dass Gott nicht aufhört für sein Volk zu sorgen. Es stimmt schon: Unsere Welt ist nicht die beste, die wir uns vorstellen könnten. Und dennoch: Weil sie Gottes Schöpfung ist und er versprochen hat, sie zu erhalten, dürfen wir mit Habakuk sagen:

ICH WILL JUBELN ÜBER DEN HERRN UND
MICH FREUEN ÜBER GOTT, MEINEN RETTER.

Habakuk 3,18

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer Dr. Thomas Knittel