Hoffnungsbäche

Der November ist ein trüber Monat. Die Bäume verlieren auch noch die letzten Blätter. Es wird kalt und regnerisch. Und auch im Blick auf das Kirchenjahr wirkt der November eher düster. Der Buß- und Bettag erinnert uns an unsere dunklen Seiten, an Schuld und Versagen. Der Ewigkeitssonntag lenkt den Blick auf die Verstorbenen des vergangenen Jahres und auf unser eigenes Ende.

Dennoch ist der November zuallererst ein Monat der Hoffnung. Schuld und Tod werden nicht das letzte Wort behalten, vielmehr kommt nach der Verfehlung die Vergebung und nach dem Sterben das Leben bei Gott. Der Seher Johannes, der wegen seines Glaubens auf die Insel Patmos verbannt worden ist, verkündet uns eine große Vision:

Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein.

Offenbarung 21,4

Die Erfahrung zeigt: Aus Tränen können reißende Ströme werden, die uns hinwegspülen wie das Hochwasser und in denen wir unterzugehen drohen. Johannes will uns aber sagen: Aus Tränen können auch Hoffnungsbäche werden, wenn wir unseren Blick auf Gott lenken, der das letzte Wort behält. Im Vertrauen auf ihn kann aus jedem Ende ein neuer Anfang werden: Wer seine Schuld vor Gott und den Mitmenschen bekennt, wird neue Freude finden, und wer den Tod nicht ausblendet, wird das Leben gewinnen.

So gesehen erscheint der November wie ein Tunnel, an dessen Ende das Licht des Advents bereits zu sehen ist. Es ist das Licht des kommenden Herrn, Jesus Christus. Wenn er wiederkommt, werden keine Tränen und kein Tod mehr unter uns zu finden sein. Lassen Sie das Licht seiner Ankunft auch in Ihren persönlichen November hinein strahlen. Es wird Ihnen helfen, mit Schuld und Versagen umzugehen und den Tod gelassener zu sehen. Dass der trübe November so auch für Sie zum Hoffnungsmonat werde, wünscht Ihnen von Herzen

Ihr Pfarrer Dr. Thomas Knittel