Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott

Partei ergreifen? Das kann ins Auge gehen. Da setze ich mich in die Nesseln. Da mache ich am Ende nur den Dummen. Nein: Ich halte mich heraus. Ich sage nichts. Ich bleibe neutral. So komme ich am besten durchs Leben.

Gott ist anderer Meinung. Gott hat Partei ergriffen. Eindeutig. Unmissverständlich. Er hat sich auf die Seite der Geringen geschlagen. Er hat die Sache der Armen zu seiner Sache gemacht. Gott lässt keinen Zweifel daran: Wie wir zu den Geringen und Armen stehen, das bezieht er auf sich; das nimmt er sehr persönlich; damit verhöhnen oder ehren wir ihn, je nachdem.

Im Spruch für diesen Monat heißt es:

Wer dem Geringen Gewalt tut, lästert dessen Schöpfer; aber wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott.

Sprüche 14,31

Wer sind sie - die Geringen, die Armen? Sind es die Kinder mit den großen Augen, die im Irak nach Wasser anstehen - oder die in Deutschland durch Supermarkt schlendern, durstig nach Leben? Sind es die auf der "verkehrten" Seite leben, die in der "falschen" Familie groß geworden sind? Die Unbeachteten, die sich selbst oder andere ins Abseits manövriert haben?

Wer sie auch immer sind, die Armen und Geringen - in Gottes Augen sind sie auf keinen Fall Nullen und Nieten. Sie sind Menschen. Sie haben ein unverwechselbares Gesicht. Sie sind einmalige Geschöpfe Gottes. Wie entstellt sie auch sein mögen, durch eigenes Versagen, durch fremde Schuld - Gott erkennt sich in ihnen wieder. Er wendet sich ihnen zu. Er ergreift für sie Partei. Von Jesus heißt es:

"Als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben" (Matthäus 9, 36).

In Jesus tritt Gott auf die Seite der Armen und Geringen. Er nennt sie seine geringsten Brüder. Was wir ihnen tun, das nimmt er an, als hätten wir's ihm getan (Matthäus 25, 40).

Nein: Wir können uns nicht heraushalten. Wir müssen Partei ergreifen. Jesus macht uns zu Parteigängern Gottes in der Welt - für die Armen und Geringen, denen wir begegnen. Wer könnten sie sein in diesem Monat? Ich weiß es nicht, aber ich nehme mir vor: Ich will ihnen nicht Gewalt antun; sie nicht unter Druck setzen ("wenn du nicht spurst, lasse ich dich meine Überlegenheit spüren!"); sie nicht ausbeuten (ihre Liebe, ihre Schwäche, ihr Auf-mich-angewiesensein). Ich will mich ihrer erbarmen: ihnen mein Herz öffnen; ihnen zuhören, sie ernst nehmen, mit ihnen einen gangbaren Weg suchen, das Schwere aushalten, es gemeinsam vor Gott bringen.

Ich möchte Parteigänger Gottes sein - schließen Sie sich an?

Gute Erfahrungen dabei wünscht Ihnen

Pfarrer i.R. Ronald Sporn, Neustadt