Geschichte ist langweilig

Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen.

Psalm 78,3-4

Geschichte ist langweilig! Davon sind nicht wenige Menschen überzeugt. Was kann man an alten Steinen oder Ritterrüstungen, an halbverfallenen Burgen oder mittelalterlichen Kirchen schon finden? Das Leben will heute gelebt werden! Geschichte ist was für Pauker, die sich an Namen und Jahreszahlen berauschen können. Geschichte ist langweilig, vielleicht (ich bin da anderer Meinung), spannend aber sind Geschichten. Wenn Menschen aus ihrem Leben erzählen, kann dies mitreißender sein als ein Abenteuerfilm. Meine Eltern sind nach dem Krieg als Vertriebene aus Ungarn nach Deutschland gekommen und ich finde es immer wieder spannend, wenn meine Mutter davon erzählt. Selbst in der Konfirmandenstunde kann es ganz still werden, wenn jemand ganz persönlich von seinen Erlebnissen berichtet.

Erzählungen haben etwas sympathisch unaufdringliches an sich. Sie belehren nicht, aber sie nehmen uns mit auf eine Reise, auf der wir Neues entdecken, häufig auch uns selbst. Sie handeln nicht von uns, aber wir erkennen uns in ihnen wieder, das macht sie so spannend. Deshalb haben Erzählungen auch eine ganz wichtige Bedeutung für die Weitergabe des Glaubens. Lange bevor es die Bibel gab, gab es Menschen, die ihren Kindern und Enkeln, ihren Nachbarn und Freunden von ihren Erlebnissen mit Gott erzählten. Sie berichteten, wie sie seine Hilfe erfahren hatten, aber auch ihre Fragen und Zweifel verschwiegen sie nicht. Später wurden diese Geschichten gesammelt und aufgeschrieben, und viele von ihnen können wir heute in der Bibel lesen.

Wie ist das bei uns? Wann erzählen wir unseren Kinder oder unseren Freunden, was wir mit Gott erlebt haben? Wie er uns in Not errettet hat, oder auch: was wir an ihm manchmal nicht verstehen. Den Glauben in ihnen wecken kann nur Gott selbst, aber sie durch unsere Erzählungen hinführen, das können wir schon. Viele Menschen in unserer Gemeinde bewegt die Frage, wie sie ihren Glauben an andere weitergeben können. Ich meine, zwei Dinge sind es vor allem, die dafür wichtig sind: Bete und erzähle! Und schließlich sollten wir auch denen danken, die uns selbst von ihren Erlebnissen mit Gott erzählt haben.

Thomas Knittel