Opa, gehst du mit?

"Opa, gehst du mit?", so fragen mich die fünfjährigen Zwillinge. "In den Wald zum Pilzesuchen, auf den Bezelberg zum Drachensteigen, ins Wartezimmer zur Untersuchung. Opa, gehst du mit?"

Einen haben, der mit - geht: Da bin ich nicht allein. Da muss ich mich nicht fürchten. Da fühle ich mich sicher. Kein Fremder darf es sein, den ich nicht kenne. Einer, der sich mir bekannt gemacht hat, zu dem ich Vertrauen gefasst habe dem vertraue ich mich an.

So haben es Menschen vor vielen Jahrhunderten mit ihrem Gott erfahren. In einer langen, wechselvollen Geschichte hat er sich ihnen bekannt gemacht: sie errettet; geführt; bewahrt; aufgerichtet; zurechtgewiesen; sich ihnen versagt, wenn es sein musste; sie zur Umkehr bewegt; ihnen Frieden und Wohlstand beschieden.

Ich gehöre zu den Menschen, die auf ihr Leben zurückblicken und es bestätigen: Ja, so ähnlich ist auch meine Geschichte mit Gott verlaufen. Ich finde mich in ihnen wieder, wenn sie im Blick auf den vor ihnen liegenden (Lebens-) Weg die Bitte aussprechen:

Der Herr, unser Gott, sei mit uns, wie er mit unseren Vätern war. Er verlasse uns nicht und verstoße uns nicht.

1. Könige 8,57

Das kleine Wörtlein "mit" schließt vieles ein: Gott, bleib an meiner Seite! Geh mit, wenn ich ins Krankenhaus muss, ein schwieriges Gespräch führe, einen Verlust zu bewältigen habe! Bleib in Ruf- und Reichweite! Lass dich hören und spüren! Du bist ja kein Trugbild, keine Erfindung menschlicher Angst oder Sehnsucht. Du hast einen Namen. Du bist der "Immanuel", der "Gott mit uns", der in Jesus zur Welt Gekommene. Gott, bleib diesen Namen treu. Lass aus deinem "mit-uns-sein" kein "ohne-" oder gar "gegen-uns-sein" werden: "Er verlasse uns nicht und verstoße uns nicht." Es wäre nicht auszudenken: Gottes Platz - leer! Gottes Stimme - verstummt! Eine eisige, gnadenlose, gottverlassene Welt bliebe übrig, wenn wir Gott aus unserem Leben ausschlössen und wir ein Volk ohne Gott würden. Mag unser Land vor vielen schmerzhaften Veränderungern stehen, mag unsere Kirche sich wandeln in ihrer äußeren Gestalt, wenn Gott mit uns auf dem Wege ist und wir uns ihm anheimgeben, dann werden wir auch in Zukunft seine Treue erfahren.


"Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt im Fluge unserer Zeiten: bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand, damit wir sicher schreiten." (Jochen Klepper)

Dass wir Gottes Weggefährten werden und bleiben, wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer i.R. Ronald Sporn